Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 282
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-s*4sö> DAS BILDERBUCH ~&=^~

HERM. VOGEL, HÄNSEL UND GRETEL. AUS:
»KINDER- U. HAUSMÄRCHEN DER GEBR. GRIMM«.
ILLUSTRIERT VON H. V. « VERLAG VON BRAUN
& SCHNEIDER, MÜNCHEN « « « « (verkleinert)

peter hat gewiss so wenig wie z. B. Buschens
Max und Moritz ein Kind verdorben, das es
nicht ohnehin schon gewesen wäre. Beachtenswerter
ist ein anderer Vorwurf, den
man dem Verfasser des Struwwelpeters gemacht
hat, dass nämlich seine Zeichnungen als
solche allzu minderwertig seien. Ein wohlwollender
Kritiker mag immerhin mit Recht
anerkennen, dass Dr. Hoffmann auch für
diesen Teil seiner Aufgabe einige schätzenswerte
Eigenschaften mitgebracht habe. Sein
Humor verliess ihn auch als Zeichner nicht,
er hatte sogar ein dunkles Gefühl für dekorative
Wirkung und als das letzte, doch
nicht geringste er wusste immer etwas
darzustellen. So wenig wie seine Feder leere
Phrasen hinschrieb, verlor sich sein Zeichenstift
in müssiges Gekritzel. Ein Künstler war
der Dr. Hoffmann freilich nicht. Wenn darum
einige gestrenge Herren von empfindlichem Geschmack
den Struwwelpeter und die übrigen
Erzeugnisse seines Meisters auf ihren Index
unerlaubter Bilderbücher setzen wollen

sei's drum. Ich gestehe gern, dass ich mich
zu diesem heiligen Eifer nicht aufraffen kann.
Zu der Entstehungszeit des Struwwelpeters
einer eminent unkünstlerischen Periode
- scheint man diesen Mangel überhaupt nicht
bemerkt zu haben. Als man später den
Dr. Hoffmann darauf aufmerksam machte,
meinte er erstaunt und spöttisch: „Nun gut,
so erziehe man die Säuglinge in Gemäldegalerien
oder in Kabinetten mit antiken Gipsabdrücken
." Ein sehr charakteristischer
Ausspruch! Da war für ihn und seine Zeitgenossen
allein die Kunst zu Hause. Auf die
so naheliegende Forderung, dass seine Karikaturen
als solche künstlerisch vollendet sein
sollten, kam er gar nicht. Eben an diesem
Punkte, an dem Hoffmann stehen geblieben
ist, haben wir einzusetzen. Nicht der dilet-
tierende Kinderfreund kann uns ein vollkommenes
Bilderbuch schaffen und ebensowenig
kann es der Künstler, der den Kreisen
der Kinderwelt fern steht. Vielmehr müssen
die Eigenschaften dieser beiden vereinigt sein
in einem Künstler, der die Kinder liebt und
mit ihnen zu spielen versteht. Ein solcher
sollte nicht nur die Bilder dem Verleger
liefern, damit dieser dann alles übrige besorge
, sondern er sollte die ganze Ausstattung
des Bilderbuches angeben und überwachen.

So bestimmt wir diese erste Forderung
aufstellen, so vorsichtig wollen wir mit jeder

H. EICHRODT, WAS HÄNSCHEN VOM HIMMEL
TRÄUMTE. AUS: »DIE ARCHE NOAH«. REIME
VON FRITZ UND EMILY KOEGEL « VERLAG
VON B. G. TEUBNER, LEIPZIG « (verkleinert)

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