Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 286
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~s=4^> DAS BILDERBUCH

seine besten Absichten, sich den Kindern zu
nähern, zu schänden macht. Und doch ist
etwas in ihm, das die Kleinen gewinnt und
fesselt. Crane ist ein Phantast und versteht
es ausgezeichnet, die abenteuerlichsten Wunder
der Fabelwelt in seine Bilderbücher zu bannen.
Eine beschränkte Schulweisheit hat zwar gemeint
, dass solcherlei Ungetüme die zarte
Kinderseele zu sehr erhitzten. Allein lebt
nicht ein Kind im Alter von drei bis fünf
Jahren beständig in einer Wunderwelt? Solch
ein kleiner Mensch sieht jeden Tag so viel
Neues und Unerklärliches, dass ihm der Anblick
eines leibhaften Tritonen nicht merkwürdiger
sein könnte, als der eines Seehundes.
Er glaubt ja auch an den Knecht Ruprecht, an

Riesen und Zwerge, an die Engel, die an
seinem Bette wachen, und an alle jene holden
Dinge, die noch als Träume der Erinnerung
das Leben des Erwachsenen schmücken.

Diesen Ton des Märchens hat keiner jemals
besser angeschlagen als Moritz von Schwind.
Sein Geist weilte in solchen Bereichen der
Phantasie wie zu Hause, und darin war er
ein Kind seiner romantischen Jugendzeit.
Doch leider ist uns Schwind, mehr als
Ludwig Richter, bereits in eine historische
Ferne entrückt, ohne dass er ein eigentliches
Bilderbuch für die Kinderstube hinterlassen
hätte. Aus seinem Märchen von den sieben
Raben hat man ein Prachtwerk gemacht. Etwas
von seinem Wesen lebt noch in unserm

FRANZ STASSEN, SEITENUMRAHMUNG ZU »DIE SIEBEN SCHWABEN«. AUS: »MÄRCHENBUCH
DES JUNGBRUNNEN«. BAND I « VERLAG VON FISCHER & FRANKE, BERLIN •«

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