Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 287
(PDF, 126 MB)
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^sö> DAS BILDERBUCH

»HEINRICH DER WAGEN BRICHT«. — »NEIN, HERR, DER WAGEN NICHT,

ES IST EIN BAND VON MEINEM HERZEN, DAS DA LAG IN GROSSEN SCHMERZEN,

ALS IHR IN DEM BRUNNEN SASST, ALS IHR EINE FRETSCHE (FROSCH) WAST (WART).«

BERNHARD WENIG, ILLUSTRATION ZU »DER FROSCHKÖNIG ODER DER EISERNE HEINRICH«
AUS: »MÄRCHENBUCH DES JUNGBRUNNEN«. BAND I « VERLAG VON FISCHER & FRANKE, BERLIN

liebenswürdigen H. Vogel weiter. Sonst sind
wir, auch als Märchenerzähler, minder harmlos
geworden. Man denke an Kreidolf,
unseren besten Bilderbuchmeister, der nicht
weniger Phantasie als jene besitzt, dem aber
die gutmütige Behaglichkeit fehlt.

Diese wenigen Bemerkungen mögen für
die allgemeine Charakteristik des Inhaltes
des Bilderbuches genügen. Noch wichtiger
ist uns, die wir die bildende Kunst lieben,
natürlich die äussere Form. Da ist es nun
zunächst die Knappheit und scharfe Ura-
rissenheit der Zeichnung, die das Kind am
besten versteht und am meisten geniesst —
ein Zeichen dafür, dass das Kind künstlerischer
sieht als der erwachsene Durchschnittsmensch
. Ein solcher empfindet jede
Anstrengung seiner geschwächten Phantasie
beim Bilderbesehen als eine empörende Zumutung
. Die Zeichnung, die ihm gefallen
soll, muss ein möglichst getreues Abbild der
Naturerscheinung in all ihren Licht- und
Schattenwerten darstellen. Das Kind fühlt
anders. Ihm bringen ein sorgfältig perspektivisch
vertieftes Raumbild und eine Ab-
schattierung in hundert Tönen keine Er-

»NOCH WAR IHM KEIN MENSCH BEGEGNET, ALS
ER PLÖTZLICH DIE ALTE HEXE ERBLICKTE . . . .«

IGN. TASCHNER, ILLUSTRATION ZU »DIE GÄNSEHIRTIN
AM BRUNNEN«. AUS »GERLACHS JUGENDBÜCHEREI«
VERLAG VON MARTIN GERLACH & CO., WIEN«««««

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