http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0304
-sj=4=ö> DAS BILDERBUCH ~<^^
-DA TEILTE DER KÖNIG DAS REICH ZWISCHEN DEN BEIDEN ÄLTESTEN TÖCHTERN,
DER JÜNGSTEN ABER LIESS ER EINEN SACK MIT SALZ AUE DEN RÜCKEN BINDEN,
UND ZWEI KNECHTE MUSSTEN SIE HINAUS IN DEN WILDEN WALD FÜHREN.«
leichterung, sondern eine Erschwerung des
Bilderbesehens. Es empfindet ganz richtig
so vieles dabei als überflüssigen Ballast.
Seine allezeit geschäftige Phantasie ist im
Deuten und Ergänzen geübt. Ist denn nicht
alles Kinderspiel ein Beleben von leblosen
Gegenständen, ein Deuten von sinnlosen
Vorgängen? — So ergänzt es denn auch
gern und mühelos aus wenigen Strichen, aus
einem Schattenriss das ganze Bild einer
Situation, wie sie anschaulich vor dem geistigen
Auge des schaffenden Künstlers dastand. Und
was von der Zeichnung gilt, das gilt auch
von der Farbe. Nicht die subtile Farbenmischung
, die alle Töne des lichtumflossenen
Naturausschnittes sorgsam nachahmt, erscheint
dem Kinde als das Schöne und Wahre, sondern
lebhafte, leuchtende Lokalfarben. Es
empfindet wohl, welcher Schmuck allein in
der ungebrochenen Kraft der Farben liegen
kann. Dem Kinde farblose Bilderbücher
geben, heisst ihm einen Genuss mehr beim
Schauen vorenthalten.
Einer der bedeutendsten Kunstgelehrten,
die sich der Frage künstlerischer Erziehung
angenommen haben, hat zwar auf Grund
physiologischer Beobachtungen gemeint, für
die ersten Lebensjahre schwarzweisse Bilder-
IGN. TASCHNER
BILDER ZU GRIMMSCHEN
MÄRCHEN
AUS: »GERLACHS
JUGENDBÜCHEREI«
VERLAG VON MARTIN
GERLACH & CO., WIEN
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