http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0314
-ss^> DAS BILDERBUCH <^-5-
buch dieses Weihnachtstisches, die schlafenden
Bäume von Ernst Kreidolf, ist künstlerisch
nicht minder bedeutsam. Zum wenigsten
hat es den Vorzug der durchaus einheitlichen
Ausstattung. Dass Kreidolf auch den
Text zu seinen Bildern gedichtet hat, kann
man ihm allerdings kaum zum Verdienste anrechnen
. Es ist merkwürdig, dass ein Künstler
, der so vortrefflich für Kinder zu zeichnen
weiss, in seinen Versen so wenig den rechten
Ton trifft. Ein liebenswürdig harmloser
Humorist ist freilich Kreidolf auch in seinen
Bildern nicht. Er fesselt durch andere Eigenschaften
, durch scharf charakterisierende
Schilderung und eine Phantastik, die sich
zuweilen zum schreckhaften steigert. Man
sehe das Vorsatzpapier zu den schlafenden
Bäumen mit den gespenstischen Tieren. Auch
die Figur des Fitzebutze in dem also benannten
Bilderbuch hatte etwas unheimlich
Spukhaftes, und das mag eine der Ursachen
des leidenschaftlichen Protestes gewesen sein,
dem dies sonst so ausgezeichnete Bilderbuch
bei einem Teil des Publikums begegnet ist.
Wenn man will, so kann man zu den neuen
Bilderbüchern auch die reich illustrierten
Bändchen von Gerlach's Jugendbücherei
rechnen - in ihrer Art kleine Meisterwerke,
allerliebst einheitlich ausgestattet mit klassischem
Text, der von einigen unserer begabtesten
jüngeren Künstler (Löffler, Taschner,
Weisgerber, Fahringer) vortrefflich illustriert
ist. Auch der „Knecht Ruprecht"
hat uns heuer in seinem Rucksack besonders
hübsche Bilder mitgebracht.
Man sieht, verheissungsvolle Anfänge sind
gemacht. Aber wir dürfen nicht stehen bleiben.
Es giebt fast in jeder deutschen Kunststadt
Männer, die berufen wären, mitzuarbeiten,
die unsere Kinder mit den schönsten Bilderbüchern
beschenken könnten. Ich will nur
einige nennen: Emil Orlik, Oskar Zwint-
scher, Heinr. Vogeler, Eugen Kirchner,
Jul. Diez, Walter Caspari, Arpad Schmid-
hammer, Angelo Jank, Sophus Hansen in
Hamburg und Peter Philippi in Düsseldorf-
von den Karlsruhern zu geschweigen, deren
gemeinsame Arbeit wir ja eben erwähnt haben.
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verkleinerte seite aus: »twee hanen«. op steen geteekend doorth. van hoytema.
sprookje van h. c. andersen « verlag von g. m. van gogh, amsterdam«««««
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