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-sr4^> DAS BILDERBUCH <^=^
Bäumen" (siehe unsere Extrabeilage): - - hört
man da nicht die alte Märchengrossmutter erzählen
von dem nächtlichen Wald mit den verzauberten
Tannen und den staunend gespenstischen
Tieren? weh dem Kinde, das sich hier
verirrt! und doch: eine gute Fee oder ein braves
altes Erdmännlein wohnen sicher zu tiefst darin
und öffnen dem, der sie zu finden weiss, ihre
unermesslichen Schätze. Oder das Blatt
„Die Diebe" aus den „Blumenmärchen" ; da lebt
und webt und huscht und gleitet und zittert
und flüstert es, ein Drama im kleinen spielt
sich ab zwischen den beseelten Taubnesseln
und Blasblumen! Freilich, in Farbe wirkt
das noch ganz anders ! Aber auch die Zeichnung
allein ist eindrucksvoll genug durch die Art,
wie Kreidolf die Blätter und Stiele gleichsam
von innern Vorgängen bewegt erscheinen lässt,
und durch das Mienenspiel seiner Blütengesichter
, in denen er den Charakter der
betreffenden Pflanze so überzeugend zu fassen
weiss. Für Kinder ist seine Ausdrucksweise
leicht verständlich und lebendig, weil sie
unmittelbar durch die Augen (nicht erst
über den Intellekt) zur Phantasie und zum
•ES WAR EINE WILDE JAGD, DIE BÖCKE
MACHTEN GROSSE SPRÜNGE --«
aus: c. w. van de noordaa, »avonturen van bob«
geillustreerd door w. f. a. j. vaarzon morel «
verlag von c. a. j. van dishoeck, amsterdam ««
w. f. a. j. vaarzon morel, titelblatt zu
»uit het wonderland« «verlag von ca. j.
van dishoeck, amsterdam (verkleinert) «
Gemüte geht. Allerdings findet man den
ungekünstelten anmutigen Märchenton
und den echten, frohen, unbefangenen
Humor Kreidolf's am reinsten in den
Werken, die er aus eigenem Impuls,
aus eigenstem Empfinden geschaffen hat.
Im vielgerühmten „Fitzebutze" macht
sich der Einfluss Dehmel's leider stark
geltend: es sickert auch durch die
Bilder etwas von der künstlichen Naivität
, von dem witzig gewordenen Humor
dieser gewaltsam kindlichen Berliner
Kinderstubenpoesie. Es ist kein ganzer
Kreidolf mehr! Wie prächtig ist dagegen
, auch vom dekorativen Standpunkt
aus, das Widmungsblatt aus den
„Schlafenden Bäumen" (Seite 292), und
wie lustig wirkt die Probe, welche wir
aus Kreidolf's Mitarbeiterschaft am
„Knecht Ruprecht" bringen (Seite 290)!
Ueberhaupt bietet der „Knecht Ruprecht
" eine Fülle von Gutem, und da
zu eingehender Würdigung des Einzelnen
der Raum uns fehlt, möchten
wir wenigstens hinweisen auf so reizvolle
Beiträge wie die „Schneeflocken"
von B. Pankok (Seite 292), die poetisch
-feierliche Märchengestalt von Fidus
(Seite 293), oder die Humoresken A.
Schmidhammer's (Seite 285). Sein
Meisterwerk hat dieser letztere allerdings
mit dem für die „Jugend" gezeich-
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