Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 311
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^=4^> DAS MODERNE ENGLISCHE BILDERBUCH

seine ganz vortrefflichen Bücher (The Wonder
Clock, Otto of the Silver Hand, Twilight Land
(Abb. S. 309) u. s. w.), zu denen er Text und
Illustration schuf, so in England bekannt, wie
sie es verdienen, so müsste man ihm unstreitig
den ersten Platz einräumen. Aber
obgleich zum Teil im Zweigverlag in London
erschienen, sind sie wenig ins Volk gedrungen
und heute überhaupt nicht mehr zu
haben. Und doch vereinigt er höchste künstlerische
Eigenschaften mit dem besonderen
Talent, für das Kinderbuch zu zeichnen, wie
kein Andrer.

Unter den englischen Kinderbilderzeichnern
der jüngeren Generation wird gewöhnlich
Charles Robinson zuerst genannt. Seine
ersten Werke sind den neuesten, in denen
er einen ganz andern Ton anschlägt, an Vertiefung
und Liebenswürdigkeit weit überlegen.
Die überflotte Art, mit der er in Nonsense,
Nonsense, in Jack of all Trades und in
seinen Bairn Books der Karikatur huldigt,
lässt kaum Freude aufkommen an der kecken
graziösen Art, mit der er dazwischen das
rotbäckige, wohlgenährte, drollig selbst-
bewusste Kind darstellt. "Während er
sich in diesen Büchern auf kräftigfarbige
Wirkungen verlegt, so hat er früher in
The Child's Garden of Verses, Lullaby
Land, Child's Voices (Abb. S. 313) nur
Zeichnungen gebracht. Diese sind von
grosser Feinheit und verdienen vollkommen
ihre hohe Einschätzung. Er
fügt sie geschmackvoll der Buchseite
ein und hat reizende Einfälle auch für
die Dekoration des Buches. Lieblich
wirkt es, wenn er im Lullaby Land das
verirrte kleine Kind in Gegensatz zu
der hohen Architektur seiner eigenen
Erfindung setzt.

Einer der feinsten und liebenswürdigsten
Bilderbuchzeichner ist Robert
Anning Bell, dessen Hauptthätigkeit
übrigens auf dem Gebiete der Allge-
mein-Illustration liegt. Aber die weiche
Grazie, die ihm dort eigen ist, die unerschöpfliche
Phantasie und die grosse
Anmut seiner Gestalten machen ihn zu
einem für das Fach der Kinderkunst
besonders Berufenen. Anning Bell
zeichnet fast nur in feinen Umrissen,
worin er mit einigen andern englischen
Künstlern den frühitalienischen Holzs
Schnittvorbildern folgt. Seine Bilder
haben dadurch etwas Luftiges und Zarte-
und entbehren nicht grosser dekorativer
Reize. Zu seinen bekannteren Bilderbüchern
gehören die beiden ersten

kleinen Bändchen der Banbury-Cross-Series,
nämlich: Jack the Giant-Killer und The Slee-
ping Beauty, auch hat er neuerdings Grimm's
Märchen illustriert (Abb. S. 307—309).

Wie Anning Bell so haben sich die als
Buchillustratoren ersten Ranges bekannten
Zeichner der schon genannten Birminghamer
Schule: Arthur J. Gaskin, C. M. Gere, E.
H. New leider nur gelegentlich dem Bilderbuche
zugewandt. Ihre Verdienste für das
illustrierte Kinderbuch sind nur mit der Bedeutung
der Keimscott Press für das künstlerische
Buch überhaupt zu vergleichen. Während
Gere und New mehr das Malerische als
das Dekorative betonen, zeigt uns Arthur
Gaskin, welcher der Bedeutendste des ganzen
Verbandes ist, in den naiv romantischen Bildern
der Märchen Hans Andersen's und in
seinem besten Werk King Wenceslas (Abb. S.
314) das eigentliche Ideal der Bestrebungen der
Schule. Seine Illustrationen halten den strengen
Holzschnittstil ein, den die Schule zu dem
ihren gemacht hat, jene kräftigen Umrisslinien,
die kontrastreiche Verteilung von schwarz und

BYAM SHAW, VERKLEINERTES BILD AUS: »OLD KING
COLE'S BOOK OF NURSERY RHYMES« «MIT ERLAUBNIS
DER VERLEGER MACMILLAN & CO., LTD., LONDON*««

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