http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0345
-5f^> NÜRNBERGER HANDWERKSKUNST <ö^~
FRANZ KAINZINGER « BLUMENKÜBEL UND WEINKÜHLER, IN KUPFER GETRIEBEN
mit freiem Blick und empfänglichen Sinnen
gegenüber stehen und sich, wenn nicht immer,
so doch zumeist klar darüber sind, wohin
sie auf den neuen Wegen gelangen. Das
will viel heissen, wo wir es in Nürnberg
nicht mit einer Metropole zu thun haben,
zu der die tüchtigsten und vorgeschrittensten
Kräfte des Reiches mit offenen, für alles
Neue empfänglichen Sinnen zusammenströmen
. Es ist aber erklärlich durch den
alten Kulturboden Nürnbergs, durch die
Handwerkstradition und die Tüchtigkeit der
eingesessenen Meister.
Uebersieht man die Ausstellung, so springt
ins Auge, dass ihre besten Arbeiten der
Metalltreib- und Ciselierkunst angehören,
die seit der Zeit Peter Vischer's und Sebastian
Lindenast's ununterbrochen durch
zahlreiche Meisterfamilien in Nürnberg ausgeübt
wird. In erster Linie ist hier Franz
Kainzinger zu nennen, der sich durch seine
in Kupfer getriebenen Arbeiten, die bereits
in verschiedenen Museen des Reiches und
auch im South-Kensington-Museum in London
vertreten sind, einen guten Namen gemacht
hat. Ist es nicht ein Zeichen gesunder
Schaffensfreudigkeit, wenn ein solcher Mann
überhaupt den Wunsch hat, an der neuen
Kunstbewegung Anteil zu nehmen, anstatt
sich zu begnügen mit der Arbeitweise, die
ihm bisher Verdienst und Anerkennung verschaffte
? Er handelte wohl nach dem wundervollen
Spruch des Angelus Silesius:
„Freund, so du etwas bist,
So bleib doch ja nicht stehn:
Man muss aus einem Licht
Fort in das andere gehn."
Früher trieb er mit grosser technischer
Geschicklichkeit und gutem anatomischen
Verständnis allerhand Figuren in Kupfer auf
grossen dekorativen Tellern, Gefässen, Krügen,
z. B. nach Dürer's Stichen Adam und Eva
und rund herum Renaissance-Arabesken u. dgl.
FRIEDRICH MÜLLER « ENTWURF
ZU EINEM PALMENSTÄNDER «««
323
41*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0345