http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0353
-*^> NÜRNBERGER HANDWERKSKUNST
gesetzte Wandfries (Abb. Seite 337) von G.
Staiger (i. F. Eugen Müller), sowie eine
farbige Fensterumrahmung von M. Hagen
(i. F. Ober & Hartner) (Abb. Seite 336),
welche hier nur als gute Beispiele aus vielen
Entwürfen herausgegriffen sein mögen, zeigen,
dass auch dem Gebiete der dekorativen Malerei
sich noch in sehr dankbarer Weise neue Motive
zuführen lassen. Vieles mag hier noch
zu reich, zu voll erscheinen, so dass die
Wirkung eine unruhige wird, was auch durch
den konventionellen, bleichen Leimfarbenton,
den z. B. Hagen bei einem Treppenhausentwurf
bevorzugt, nicht aufgehoben wird. Ganz
wenige schöne Linien genügen hier oft und
sagen uns mehr, als eine reiche Verzierung.
Mag das aber sein, wie es will: Hauptsache
ist doch, dass auch hier ein freies,
eigenes Schaffen angestrebt wird. Wie es
die alten Meister gethan! Wenn diese nichts
Eigenes geschaffen hätten, sondern bei dem
zu ihrer Zeit Bewährten, Guten, Alten
stehen geblieben wären und sich nicht
losgetrennt hätten von der Nachahmung
derjenigen Kunstformen, welche zu ihrer
Zeit bereits vorgelegen hatten, wie wären
dann die Stile entstanden, deren Schönheit
wir gerade dadurch anerkennen, dass
wir sie dem Lehrplan unserer Kunstgewerbeschulen
und Akademien eingereiht haben?
Und ein grosser Fortschritt liegt schon darin,
dass hier aufgeräumt ist, mit den Früchten,
Blumen und Blattpflanzen, die bis vor kurzem
noch das Hauptmotiv unserer Decken und
Wanddekoration, einschliesslich der Tapeten
bildeten.
Das reizvolle Gebiet der Schmucksachen
ist vertreten durch die bereits genannten
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