http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0363
raschender Weise wird das ästhetische Gewissen
der Farbe gegenüber geschärft. Haben
Farben-Ausstellungen für Städte mit textiler
Industrie speziellen Wert, so sind sie ausserdem
von allgemeiner Bedeutung ersten Ranges
für die künstlerische Erziehung des ganzen
Volkes. Man sollte es aus
naheliegenden Gründen dem
deutschen Publikum nicht
überlassen, sich nach eigenem
Wollen in Museen verschiedener
Art Farbenschau zu
schaffen. Wenn es dabei
bliebe, würde die Entwicklung
des Farbensinns nur
sehr langsam vorwärts gehen.
Von Farben - Ausstellungen
dagegen darf man schnellere
und grosse Erfolge erwarten.
Es wäre zu erwägen, ob nicht
in jeder Gemäldegalerie ein
Raum zur Farbenschau als
Vorbereitung für den Besuch
der Galerie könnte eingerichtet
werden. Aber auch
unabhängig von Galerien
sollte man an jedem Ort,
wo immer in Deutschland
Kunstpflege herrscht, dem
Krefelder Beispiele folgen
mit den Aenderungen, die
sich aus den jeweiligen örtlichen
Verhältnissen ergeben.
Am wirksamsten wird immer
die Vereinigung von Natur-
und Kunstschönheit sein;
doch sind auch sehr interessante Farben-Ausstellungen
möglich nur von koloristischen
Elite-Werken alter oder moderner Malerei.
Solche Ausstellungen könnten neben ihrem
erzieherischen Wert erhebliche kunstgeschichtliche
Bedeutung gewinnen. ifi
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