Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 353
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MODERNE INNENEINRICHTUNGEN

Die „Kunst des Lebens" ist heute beinahe
zu einem Schlagworte geworden. Von
verschiedensten Seiten her wird die Forderung
, die Lebensführung zu einer künstlerischen
zu machen, erhoben. Häufig genug
wird Goethe, der persönlich sein Leben lang
darnach strebte, Kunst und Harmonie zu den
Regulatoren seiner Lebensführung zu machen,
dabei als Vorbild angeführt.

Wer könnte leugnen, dass diese „Kunst
des Lebens" und dass diese „Kunst im
Leben" unserem Zeitalter, das in nervöser
Hast dem ruhigen Geniessen entflieht, ganz
besonders not thut. Das Milieu aber, in dem
diese Lebenskunst zur Entfaltung und Entwicklung
kommt, und in dem sie sich „breit

machen" darf, ist das Heim — - die Stätte,
in der der Mensch wohnt, in der er arbeitet,
geniesst und schafft.

Die Frage, wie dieses Heim zu einem
künstlerischen zu gestalten ist, dürfte von
dem gegebenen Gesichtspunkt aus unschwer
zu beantworten sein. Das, was von aller
Zeiten Anfang her als Hauptmerkmal des
Künstlerischen galt und bis in die neueste
Zeit für die Grundbedingung alles Künstlerischen
gehalten wird, ist zugleich das, was
die Schönheit der Natur vom Himmelsgewölbe
bis zu der Pflanzenwelt sehr wesentlich ausmacht
: die Harmonie, das heisst, die Ueber-
einstimmung aller Teile.

Auf die vorliegende Frage angewendet,

Dekorative Kunst. V. 10. Juli 1902.

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