Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 354
(PDF, 126 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0376
-=;?=4^> MODERNE INNENEINRICHTUNGEN <^=^

heisst das soviel, als: alle Teile der Inneneinrichtung
müssen mit dem Ganzen, zu dem
sie gehören, in Uebereinstimmung stehen.

Dieses Ganze ist das Haus. Es ist also
zu fordern, dass alle Teile der Inneneinrichtung
, d. h. alle Möbel, Tapeten, Teppiche,
Beleuchtungskörper etc. durchaus zu dem
Hause passen, für das sie bestimmt sind.
Und da wir es hier in erster Linie mit
Möbeln zu thun haben, ist zu fordern, dass
dieselben in das Haus und in das Zimmer,
für die sie bestimmt sind, hineinkomponiert
werden. Eigentlich ist also der Architekt
des Hauses derjenige, welcher die Inneneinrichtung
zu wählen und die Möbel zu entwerfen
hat. Je nach der Höhe der Zimmer
und der Grösse der Zimmer, je nach der
Art der Wände, der Grösse der Fenster sind
die Möbel zu entwerfen. In die hohen Säle
der Schlösser und Paläste des vorigen Jahrhunderts
passten die Empire-Möbel, in die
Nischen undEcken der Lustschlösser LouisXV.
passten die Rokoko-Möbel, in die halbdunklen,
feierlichen Räume der gotischen Zeit passten

SCHMIEDEEISERNE HEIZKÖRPERVERKLEIDUNG « ENTWORFEN
VON BERNH. PANKOK « AUSGEFÜHRT VON DEN
VEREINIGTEN WERKSTÄTTEN, MÜNCHEN (GES. GESCH.)

die Kirchen-Möbel und in die japanischen
Theehäuser passen die Rohrsessel und Bambus-
Möbel. Wie aber heute? Heute gährt es noch.
Weder die Meinungen, noch die Stile haben
sich geklärt. Der Stil unserer Zeit ist der
Eklekticismus. Der sogenannte „Jugendstil"
oder „Secessionsstil" war nur eine Tageslaune
und ist schon im Vergehen. Wer klug ist
— und das betrifft ebensosehr die Möbelarchitekten
wie das Publikum — sollte, was
diesen Stil betrifft, nicht die unausgereiften
Pflaumen vom Baume schütteln. Aber immerhin
soll er aus der modernen Richtung das
Massvollste und das, was am ehesten Aussicht
hat, weiter zu leben, auswählen. Und
wenn er in Verlegenheit ist, was er bei dem
furchtbaren Wirrwarr der Meinungen und
Stile nehmen soll, so mag ihn eben jener Leitstern
„Harmonie" leiten: er wähle nur das,
was erstens für sein Haus, zweitens für
seinen Geschmack, drittens für den betreffenden
Raum passt. Er sehe zu, dass die Tapeten
und Teppiche mit den Möbeln harmonieren,
er lasse für die bestimmte Ecke eines bestimmten
Zimmers eine Möbelgarnitur
entwerfen und
bauen. Alle Möbel, die
fertig gekauft werden und
nicht für eine individuelle
Einrichtung entworfen sind,
sind Fabrikware und eines
künstlerischen Heimes unwürdig
.

Lieber wähle man die
einfachsten und billigsten
Materialien und Ausführungen
, als dass man Schemen
kauft. Lieber gehe
man zum Schreiner und
lasse nach seinen eigenen
Angaben Möbel für die bestimmten
Räume entwerfen
und richte sie selbst her,
als dass man für sein individuell
pointiertes Heim
Warenhausmöbel, mögen sie
auch noch so hoch im Preise
stehen, erwirbt. — Im allgemeinen
muss vielmehr
Selbstdenken, eigenes Mitarbeiten
gefordert werden.
Es genügt nicht, dass man
in ein Musterlager geht,
eine Wahl trifft und das
Geld auf den Tisch legt.
Wer Ehre hat und etwas
auf sich hält, will eine Einrichtunghaben
, die ihmauch

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