Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 365
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0387
UNTERRICHT IM KUNSTGEWERBE

Von Karl Scheffler

Unterrichtsfragen sind stets mehr oder
weniger problematisch; vor allem aber
doch die auf eine konsequente Erziehung
zur professionellen Kunstübung gerichteten.
Um der Kompliziertheit des Problems vom
Unterricht im Kunstgewerbe mit einigem Erfolg
beizukommen, müsste die Materie von
einem Sozialökonomen, einem Staatsmanne
und einem Aesthetiker behandelt werden.
Von jedem in seiner besonderen Weise, doch
unter der Leitung einer einzigen Kulturtendenz
. Darauf müsste ein genialer Kopf sämtlichen
Meinungen den gemeinsamen Faktor
suchen, aus drei Antworten
die eine machen, worin alle —
andern schon enthalten sind.
Dieser Extrakt würde dann
ein Arkanum darstellen; nur
würde nicht einer dem Wundermanne
glauben, keiner
die Anwendung der unerhört
kräftigen Medizin gestatten
. DasHeilmittel würde
langsam auf den Regalen
verschimmeln, wohin alle
Utopien — und ihrer sind
in unserer wirren Zeit Legion
— aus dem Bereich
des nüchternen Lebens gestellt
werden. Zu einer
Idee gehören immer zwei:
einer, der sie ausdenkt, und
ein anderer, der sie auf
sich anwenden lässt. Gerade
der „andere", der
„grosse Krumme" Peer
Gynts, ist die wichtigere
Partei, und in Fragen der
Kunst wird sein Widerstand
fast unüberwindbar. Er lebt,
nach Schiller's feinem
Wort von den beiden Polen,
worin die moralische Welt
hängt, nur dem Hunger
und der Liebe. Die Masse,
die in Fragen wirtschaftlicher
Kunst in letzter Instanz
entscheidet, geht nur
sichtbarem Nutzen, naheliegenden
Profiten nach;
ideale Forderungen und humanistisch
-ästhetische Ideen fallen meist als
moralische Ohrfeigen an den fordernden
Idealisten zurück.

Das Leben kann einen trotzdem in die
Lage bringen, dass Probleme, zu denen man
in einem Zwangsverhältnis steht, Antwort
heischen. Auch der, dem die Qualitäten
eines Staatsmannes und Sozialökonomen
fehlen, der nur ein dürres Aesthetentum
sein eigen nennt, kann nicht umhin, die
Fragen unserer kunstwirtschaftlichen Entwicklung
zu untersuchen, selbst mit dem klaren
Bewusstsein der praktischen Nutzlosigkeit

georg wrba « brunnenmodell

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