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-s=asö> UNTERRICHT IM KUNSTGEWERBE
HERMANN OBRIST « ENTWURF ZU EINEM MONUMENTE IN VERBINDUNG MIT EINEM WASSERBECKEN
ergebnis wäre eine solche verneinende Kritik
in der That ärmlich genug; aber als Mittel,
irgend eine positive Kenntnis oder Ueber-
zeugung, wert dieses Namens, zu erlangen,
kann sie nicht hoch genug geschätzt werden."
In unserer bewegten Uebergangszeit können
scharfumrissene Vorschläge in schwierigen
Fragen nur einseitig den Interessen eines
Standes oder einer Partei dienen. Jeder Fachmann
will die Vertretung seiner Vorteile, und
wer es einem recht macht, setzt sich meist zu
wirksamen Kräften des Lebens in Widerspruch.
Die Frage des Unterrichts im Kunstgewerbe
ist ein wahrer Rattenkönig von Rätseln.
Dieser Punkt der sozialen Lebensfläche
wird von unendlich vielen Linien der
Kulturentwicklung geschnitten, aber nicht
eine endigt in ihm. Die Aesthetik kreuzt
an dieser Stelle die profane Zweckmässigkeit
, die soziale Kulturphilosophie schneidet
hier die Richtung der Wirtschaftspolitik, der
demokratische Altruismus trifft in demselben
Punkte auf den aristokratischen Klassenegoismus
, und die Zickzackbewegung
des Fortschrittes
muss die breite Kurve der
Tradition überwinden. Schon
diese Anziehungskraft des
Problems sollte dem Staats-
manne zu denken geben. Er
freilich kann sich nicht thätig
regen, bevor ihm grundlegende
nationalökonomische Arbeiten
zur Verfügung stehen.
Die aber fehlen noch ganz.
Nur die Aesthetiker, die
schaffenden Künstler und ihre
kritischen Eideshelfer, sind
eifrig gewesen, der neuen
künstlerischen Arbeit solche
Konsequenzen zu suchen, die
auch das Gebiet des Unterrichtswesens
berühren. Ihre
Grundstimmung ist der Optimismus
, wie ihn die Liebe
zur Sache diktiert. Gar zu oft
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