Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 368
(PDF, 126 MB)
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KONKURRENZ FÜR EIN BRUNNENDENKMAL IN KEMPTEN <^=^

verHeren sie sich aber in Kulturträumen und
sind nicht die Männer brauchen es nicht
zu sein — eine verwickelte Sache mit genialer
Nüchternheit und unerbittlichem Realitäts-
bewusstsein zu bearbeiten. Unsere Verwaltungsbeamten
, die in ihrer Position viel
thun könnten, knicken meist vor Unternehmungen
, die über lokale Vereinsmeierei hinausreichen
, erschrocken zusammen und spotten
im Kreise der sieben Schwaben des Radikalismus
. Ach, und wie sehr fehlt gerade
die Radikalkur!

Die Politiker von Beruf haben alle Hände
voll mit Parteifragen zu thun, lassen die
Imponderabilien prinzipiell aus dem Spiel
und streben dem sich fortbewegenden Ziel
naiv in der Hundekurve zu. Trotz der Lehren,
die so leicht zu sammeln sind: dass das künstlerische
Vermögen eines Volkes auch ein

IGNATIUS TASCHNER « BRUNNENMODELL

Stück Nationalwohlstand ist, lernen sie mit
solchen Grössen im Staatshaushalt nie rechnen
. Sie halten sich an Werte, die in
statistischen Tabellen zu registrieren sind;
und doch lässt sich der wirtschaftliche Wert
einer Kunst, wie z. B. der von Morris oder
Voysey in Pfunden und Schillingen nachweisen
. Denn ohne diese Männer wäre Englands
Export im Kunstgewerbe nicht halb
so gross gewesen. Dennoch berücksichtigt
niemand solche Talente, die nationale Wohlstandsquellen
sind, in wirtschaftspolitischen
Kalkulationen. Erst wenn die Kunst zur Industrie
geworden und nach Mass und Gewicht
rubriziert, der Versand nach Zahlen gebucht
werden kann, bekommt sie Interesse für den
Staatsmann. Der Rohstoff, die Arbeitslöhne, die
Spesen - - das alles wird in Rechnung gestellt;
nur die Kraft, die alle Hände erst zweckvoll in

Bewegung setzt, zählt nicht
mit. Entweder bestimmt -
in ganz seltenen Fällen — der
Künstler die Richtung gewerblicher
Entwicklungen,
oder die Industrie zwingt
Kunst und Politik in ihre
ziellosen Bahnen: eine Kontrolle
hat der Staatsmann nie
über das Spiel der Kräfte.
Es wäre ein höherer Zustand
, wenn er mit dem
Werte schaffenden Künstler
Fühlung hätte und dessen
Arbeit einer zweckvollen
Politik nutzbar zu machen
wüsste — unbeschadet aller
artistischen Ideale. Nichtdie
staatliche Sanktionierung
des fait accompli ist wichtig,
nicht die politische Ausnützung
des Zufalles, sondern
die Leitung der Idealkräfte
zu grossen allgemeinen
Zwecken. In solcher
Weise kann eine fortschrittlich
-konservative Politik gemacht
werden. Freilich gehört
dazu, neben der klaren
politischen Vernunft, das
feine Gefühl für ästhetische
Kulturwerte.

So genügt es nicht, wenn
ein führender Künstler —
vorausgesetzt er sei rechtzeitig
erkannt worden —■
einer bestehenden Institution
eingegliedert, also
etwa als Lehrer an eine

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