Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 378
(PDF, 126 MB)
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-**4sö> UNTERRICHT IM KUNSTGEWERBE

möglich. Selbst Länder, wie Russland und
Amerika, die die Bodenkräfte ihrer ungeheuren
Reiche bei weitem noch nicht ausgebeutet
haben, industriealisieren sich schon.
Ursprünglich nur, um sich vom Ausland unabhängig
zu machen; aber die Produktion übersteigert
sich wie von selbst und führt dann zum
Export. Die Völker Europas wetteifern im
Aufsuchen neuer, unerschlossener Absatzgebiete
, und schon ist der Zeitpunkt vorauszusehen
, wo der Markt der Erde versorgt
sein und die Hochflut zurückebben wird.
Welch unendliche Krisen müssen dann ausbrechen
! Inzwischen zeitigt die Expansionspolitik
eine ungeheuere Regsamkeit, weckt
immer neu die Unternehmungslust und
bringt einen Zug von Grösse in das unruhvolle
Getriebe der Geschäfte. Im Arbeitseifer
werden die Menschen wieder hoffnungsvoll
, und auf den Gründen der Fieberzustände

wird von genialen Nervenmenschen ein bewunderungswürdiges
System philosophischer Kulturauffassung
aufgebaut.

Riesige Brücken werden von Ufer zu
Ufer gespannt, um dem Verkehr Genüge zu
thun; staunend steht der Künstler vor diesen
Werken rücksichtslosester Vernunft und abstrahiert
eine neue Kunst davon. In seinen
Vorstellungen steigert das Nützliche sich
phantastisch bis zur Grösse und hinter dem
Gequirl des Broterwerbs sieht er die Mystik
in Gestalt dunkler Kulturtriebe in Thätigkeit.
Aus dem Uebermass des Kräfteverbrauchs
sondern sich höhere Intelligenzen ab, die dem
beängstigenden Schauspiel eine Weltanschauung
abzugewinnen trachten. Zu ihnen spricht
nur das Edle, das in jeder imposanten Kraftentfaltung
liegt; mit hartem Eifer aber schelten
sie die Brutalität, die daneben, nicht minder
notwendig, sichtbar ist. Man vergisst, dass

GASOFEN « ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT VON W. J. STOKVIS, ARNHEIM

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