Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 379
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-*=4sö> W. J. STOKVIS <^=^

GASOFEN « ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT VON W. J. STOKVIS, ARN HEIM

die breite Pseudokunst, die mit tausend Segeln
im Strome treibt, ein Ergebnis desselben
Zustandes ist, der auf der anderen Seite zu
neuem Fortschritt begeistert. Die moderne
architektonische Kunst mit ihrer reichen Entwicklungsfähigkeit
ist im wesentlichen ein
Industrieresultat, aber die kunstgewerbliche
Ueberschwemmung ist es nicht minder. Hier
ist ein Schauspiel für nachdenkliche Gemüter.
Schönes und Hässliches, Gutes und Schlimmes,
Grosses und Niederes: alles fliesst aus derselben
Kraftquelle. Wer sich der Bewegung
hemmend in den Weg stellt, wird überrannt,
und Mittel der Kunst und Aesthetik gelten
gegenüber dieser wirtschaftlichen Notwendigkeit
, deren Zentrum nicht zu ermitteln ist,
am wenigsten.

Nicht so allgemein gesprochen: Der
kunstgewerbliche Zeichner und seine Pseudokunst
sind notwendig, solange es wichtige
Industriezweige giebt, in denen Tausende von
Arbeitern für den Export thätig sind. Wenn
die Kunstgewerbeschulen eingingen, würden
die beteiligten Industriekreise sofort Zeichnerschulen
einrichten müssen, um die nötigen
Kräfte zur Verfügung zu haben. Während
der Uebergangszeit aber würden die betroffenen
Fabrikanten mit ihrer weniger marktfähigen
Kunstware in der internationalen Konkurrenz
unterliegen, und Krisen mit den Folgen ausgedehnter
Arbeiterentlassungen und Erschütterungen
des Nationalvermögens würden
sich daraus ergeben. Dazu kann die Regierung
die Hand also schwer bieten. Vor
dreissig Jahren, als die Kunstgewerbeschulen
gegründet wurden, war es Zeit sich zurückzuhalten
; damals hätte es der erst aufblühenden
Industrie überlassen bleiben sollen, sich
selbst Zeichner nach Bedarf auszubilden.
In solchen Dingen ist es immer gut, der
Selbsthilfe die Initiative zu überlassen. Für
den ästhetisch Entrüsteten hat ein Vorschlag,
allen staatlichen Unterricht im Kunstgewerbe
zu beseitigen, noch heute etwas Verlockendes;
ich höre noch die energische Zustimmung
eines unserer führenden deutschen Nutzkünstlers
, als ich den Gedanken einst aussprach.
Man vergegenwärtige sich aber einmal: Die

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