Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 381
(PDF, 126 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0403
-^ö> MAX HANS KÜHNE

Schnörkeln über das Papier fahren. Der
Markt wird wohl von der Mode temperiert,
und diese wiederum ist teilweise abhängig
von den Künstlern; in einem aber ist die
Tendenz des Marktes unerbittlich: sie verlangt
unter allen Umständen Gemeinverständliches,
das heisst also — Mittelmässiges. Wer Vieles
bringt, wird Manchem etwas bringen

Nur eine energische Schwenkung in der
Industriepolitik könnte bessere Hoffnungen
erwecken. Wenn der Import erschwert wird,
sinkt der Export ganz von selbst. Daneben
wäre es eine Kulturthat, wenn die Organisation
des Handwerkes gefördert würde, damit
dieses, in Genossenschaften vereinigt
und selbst industrialisiert, der Industrie Trotz
bieten könnte. Dann würde es auch seine
Söhne im eigenen Interesse verwenden können
und brauchte sie nicht in einem unfruchtbaren
Zwischenstand, der nie Selbständigkeit
und Unabhängigkeit erlaubt, verkümmern
lassen. Kurz: eine konservative Politik, im
guten Sinne dieses Wortes, thäte not. Sie allein
ist im stände, den Nationalwohlstand zu befestigen
. Freilich würde sie ihn zugleich
verringern, und wie könnte sie da in unserer
Zeit der Händlermoral je Erfolg haben. Auch
die neue Nutzkunst, woran so reiche Hoff-

MAX HANS KÜHNE « « HEIZKÖRPERVERKLEIDUNGEN
IM CAFE CENTRAL

nungen geknüpft sind, würde auf der
Grundlage beschränkten Industrialis-
mus erst ihre befreiende Kraft ganz
entfalten können. Denn die Industrie
verschlingt wie Kronos die eigenen
Kinder. — Dieses ist eine negative
Meinung; aber selbst sie ist eine
Utopie. Denn Individuen wie Völker
können in der Entwicklung nie zurückgehen
und „ein neues Leben
anfangen".

Nicht viel weiter führt ein Vorschlag
, der vor Jahren von mir gemacht
worden ist: die Verlegung
des kunstgewerblichen Unterrichtes
an die Akademien die herzlich
zwecklos geworden sind - und die
Aufhebung der bestehenden Institute
. Der akademische Unterricht
sollte dann in Werkstätten und Experimentierräumen
stattfinden, der
Schüler technisch so ausgebildet
werden, wie er sich künstlerisch
selbständig entwickeln würde. Statt
überflüssiger Bildermaler dachte ich
an einen tüchtigen Nachwuchs unserer
Gewerbekünstler, die ja alle
aus den Akademien hervorgegangen
sind. Es war ein Luftschloss mit

381


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0403