Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 382
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-ü^> PAUL HOPPE -<^^

PAUL HOPPE « WOHN- UND GESCHÄFTSHAUS IN MOABIT

einer Grundmauer darunter. England hat
uns in Fragen der Kunsterziehung stark hypnotisiert
.

Alle Versuche, den Strom künstlich zurück-
zudämmen, müssen Katastrophen herbeiführen
. Im Getriebe der Konkurrenz rüstet
keiner freiwillig ab, obwohl alle darnach
seufzen. Es ist eine Hetzjagd im Kreise.
Die Industrie braucht Zeichner, um Geld zu
verdienen, der Staat braucht die Steuerkraft
der Industrie, um z. B. seine Seerüstungen betreiben
zu können, und diese wieder sollen
nur die Exportpolitik stützen.

Dieser langen Rede Sinn ist also beschämend
kurz. Man muss mit kleinen Mitteln kämpfen,
da wenigstens ein Ministerfrack nötig ist, um
für die grossen wirksam eintreten zu können.
Die „Modernen" werden ganz von selbst dahin
kommen, sich zu retardierenden Kraftanstrengungen
zusammenzuthun. Für die
Schule giebt es unter den gegebenen Verhältnissen
nur wenige Forderungen: Man
lasse möglichst wenig Schüler zu, d. h. man
verschärfe die Aufnahmeprüfung— dann führe
man die technische Unterweisung im Unterricht
ein, damit endlich die Zeichner aussterben
, die zeitlebens für die Textilbranche
arbeiten und nie einen Webstuhl gesehen
haben. Man stelle Lehrer an, die das äusserste
Mass von Selbständigkeit vom Schüler verlangen
, also nicht individualistische Künstler,
sondern kritische Begabungen - - meinetwegen
sogar Kunstkritiker und daneben gewerbliche
Vorarbeiter.

Ausserdem wäre ein Zusammenschluss aller
selbständigen Gewerbekünstler zu einem wirtschaftspolitisch
thätigen Verbände nützlich, die
Einrichtung einer Art von nationaler Kunstkammer
, die alle Berufsinteressen an geeigneter
Stelle wahrzunehmen hätte. Aber ach!
schon fühl' ich bei dem besten Willen, Befriedigung
nicht mehr aus dem Busen quillen.

282

t


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