http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0406
-ss^> PAUL HOPPE
PAUL HOPPE « EINGANG ZU EINEM WOHNHAUSE IN DER MEINECKESTRASSE
In Darmstadt sind es nur sieben; doch vom
Geiste der Solidarität unter Künstlern, selbst
in Fragen des Interesses, bekommt man dort
eine Meinung, die den lebhaftesten Optimismus
zerstört.
Selbst diese kleinen, ja kleinlichen Vorschläge
werden denen an der Spitze zu radikal
sein. Es bleibt noch ein demagogisches Mittel.
Wenn es einem Manne gelänge, alle deutschen
Kunstgewerbevereine unter einer Tendenz
zu vereinigen, wenn es der Kraft seines
Geistes glückte, diese jetzt so philiströsen
Verbände politisch zu animieren, damit sie
geschlossen gegen die ziellose Industriepolitik
auftreten und ihre Wünsche nachdrücklich
auf den Tisch des Bundesrats niederlegen
könnten, so würde das eine imposante That
sein. Ja, wenn sich die vielen Kunstbeflissenen
jeder Art in einer wahrhaft fortschrittlichen,
konservativen Politik zusammenfinden, sich
wirksame Vertretung schaffen könnten, wenn
das Ideal zur realen politischen Kraft würde!
Damit käme in die verderbliche, fatalistische
Unthätigkeit doch wenigstens eine gesunde
Wallung.
Doch freilich: wer mit Kunst in irgend
einer Form zu thun hat, verlernt - - so scheint
es — die Fähigkeit, sich einem Ganzen unterzuordnen
. Organisieren können sich nur
Kapitalisten, Kriegervereine und Sozialdemokraten
. Die Künstler und die es sein wollen,
werden der lachenden Industrie auch weiterhin
die Rechnung zu bezahlen haben. Dazwischen
werden einzelne Künstler in schönem pythi-
schen Wahnsinn auch ferner das Publikum
feurig auffordern, eine Kultur zu machen
,.bis nächsten Donnerstag", wie Bismarck zu
sagen pflegte.
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