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III III II
paul hoppe « fassadendetail eines wohnhauses in der m ei neckestrasse
ZU UNSEREN BILDERN
Das Problem des eingebauten Etagenhauses
ragt unter allen Problemen, die unsere
Zeit dem Architekten stellt, als ein besonders
kompliziertes hervor, dadurch, dass es eine
ebenso schwierige wie undankbare Aufgabe
bietet. Zugleich aber ist die ernsthafte
Lösung gerade dieser Aufgabe besonders
wichtig, weil gerade sie weiten Bezirken
unserer Grosstädte den massgebenden Stempel
aufdrückt. Das Undankbare der Aufgabe liegt
darin, dass selbst die gelungenste Gestaltung
dieser Art in ihrer Wirkung nicht in Frieden
leben kann, „wenn es dem bösen Nachbar
nicht gefällt", ja, dass das enge Aufeinanderdrängen
heterogener Lösungen stets und unausbleiblich
sich gegenseitig beeinträchtigen
muss: die chronische Gefahr, unter der Gemälde
in einer dicht gedrängten Ausstellung
zu leiden haben, die Gefahr des „Tothängens"
wird hier zu einem organischen Leiden, mit
dem man von vornherein sich abzufinden hat.
Darin liegt zugleich die eine Seite der besonderen
Schwierigkeit dieser Aufgabengruppe
; die andere liegt in der Gestaltung
selber. Sie gewährt dem Künstler zu seiner
Entfaltung nur eine mehr oder minder glatte
Fläche, deren Entwicklungsfähigkeit gehemmt
wird durch die aus dem schablonenhaften
Inneren sich ergebende systematische Wiederkehr
gleichartiger Oeffnungen; sowohl in
seiner Achsen- wie in seiner Etagen-Disposition
ist das Gerippe des Baues festgelegt. Das zwängt
von vornherein die Aufgabe in eine Sphäre
hinein, die mehr zu einer dekorativen, wie
zu einer organischen Auffassung des Problems
hinleitet und zu der Kalamität unsrer Etagenhäuser
führt, entweder in plattester Nüchternheit
Fensterreihe neben Fensterreihe zu setzen,
oder aber als Vorwand zu dienen, um mehr
meistens jedoch minder geschmackvolle dekorative
Formenorgien an den Mann zu bringen.
Wir können an den Arbeiten Paul Hoppe's,
die von dem Schwulst Berliner Etagenhäuser
durch schlichte Sachlichkeit angenehm
Dekorative Kunst. V. m. Juli 1902,
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