Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 386
(PDF, 126 MB)
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MAX HANS KÜHNE <^^~

abstechen, erkennen, wie der geschickte Architekt
diesen Gefahren zu begegnen strebt. Er
versucht, nicht nur ein Stück Fassade der
allgemeinen Bauflucht einer Strasse einzuverleiben
, sondern dieses Stück Fassade als
gesonderte Individualität wenigstens anzudeuten
dadurch, dass es nach oben hin durch
ein sichtbares eigenes Dach zusammengefasst
wird. Die Fassadenfläche selbst aber erhält,
ohne wirklich aufgelöst zu werden, durch
grössere streifenartige Schattenpartien, die
durch Rückspringen einzelner Fassadenteile
erzielt werden, zunächst einmal eine Gesamtgliederung
. Diese Rücksprünge werden
zu Balkons und Loggien ausgenützt, ihre
trennenden Schattenmassen aber verlegt
Hoppe, ähnlich wie Messel das an seinen
gelungensten Etagenhausbauten thut, an die
Aussengrenzen seiner Fassadenmassen , so
dass sie eine mittlere Partie einrahmend loslösen
und durch ihre ruhigeren und tieferen
Schattenflächen vor der Flucht der Nachbarbauten
isolierend hervorheben. (Auch das

MAX HANS KÜHNE

Haus Meineckestrasse 23, von dem wir nur die
Mittelpartie bringen, ist in dieser Weise disponiert
, Abb. Seite 385.) So erhält man ein Stück
umgrenzten Baukörpers in der Fassade und damit
die Möglichkeit, seine Effekte zu konzentrieren
und zusammenzuhalten; zugleich aber
löst man seinen Fassadenbau bis zum gewissen
Grade vom herandrängenden Nachbar los.

Der Schwierigkeit, die in der Bewältigung
der langweiligen Folge gleichartiger kleinlicher
Fensterflecke und Etagenteilungen liegt,
begegnet der Architekt durch die pfeilerartige
Aufteilung der ganzen Fläche, die wie
in grosse tragende Vertikalstützen zerlegt erscheint
, zwischen die das Kleinwerk der
Fenster nur als Füllung eingesetzt ist; also
ein ganz ähnliches System, wie es sich am
modernen Geschäftspalast herausgebildet hat.

Das sind einige typische Züge, die dieses
Etagenhaus-Problem bereits deutlich erkennbar
aus seinen Schwierigkeiten gezeitigt hat.
Wie sie weiter ausgebildet werden, ist dann
natürlich Sache der jeweiligen Individualität.

Hoppe fällt in seinen Lösungen,
besonders beim Bau Meineckestrasse
, dadurch vorteilhaft auf,
dass er die Belebung eines solchen
Systems lediglich durch feine reliefartig
in die Fläche eingeschnittene
Schmuckformen bestreitet
, die der ganzen Masse
die feste Geschlossenheit ihrer
Struktur wahren, oder vielmehr
diese Geschlossenheit besonders
deutlich zum Bewusstsein bringen.
Seine Arbeiten, und wieder
gilt das besonders vom Hause
Meineckestrasse zeigen dadurch
die wohlthuende Tendenz,
gegenüber den malerischen Bestrebungen
unserer Architektur
und gegenüber dem Kultivieren
„geistreicher" dekorativer Neugedanken
eine nach der Seite des
spezifisch Architektonischen, nämlich
des Monumentalen, gehende
Note auch in solche Bedürfnisbauten
hineinzutragen. Erst wenn
dieses Streben nach monumentalerer
Auffassung im Gegensatz
zur modernen Kunstgewerbe-Architektur
weitere Kreise erfasst
hat, wird das Bild auch unserer
Etagenhaus-Strassen ein befriedigenderes
werden können.

Von diesem Gesichtspunkte
aus möchten wir auf Hoppes1
neuere Arbeiten hinweisen.

VILLA TRUMMLER

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