Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 387
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0409
-s?4^5> MAX HANS KÜHNE <^^-

Die Arbeiten von Max Hans Kühne
(Dresden), die wir in dieser Nummer bringen,
zeigen uns einen Architekten, der in bemerkenswerter
Weise fähig ist, einen Wohnbau
als einheitliches Ganzes zu gestalten.
Er stellt nicht nur ein Haus hin, das in
zweckmässiger und anmutig-einfacher Art
aus gegebenen Bedürfnissen sich entwickelt,
dem aber andere Hände ein inneres Leben
geben müssen, sondern seine Herrschaft erstreckt
sich mit gleicher Selbstverständlichkeit
und Sicherheit auf die ganze innere Ausstattung
. Und so müsste es immer sein; eine
gesteigerte Wohnungskultur in den Grenzen
einfacher Mittel ist nur dann möglich, wenn
bis in jeden kleinsten Effekt hinein Raum
und Inhalt von vorne herein zielbewusst vom
gleichen künstlerischen Willen disponiert wird.
Dann können eben auch mit kleinen Effekten
bedeutende Wirkungen erzielt werden.

Kühne's Innenräume zeichnen sich aus
durch ihre Natürlichkeit. Wie er mit den
bescheidensten Mitteln ein Billardzimmer
disponiert, wie er Heizkörper und Gitter in
einfachster Technik gestaltet und
doch den Eindruck liebenswürdiger
Eleganz erzielt, das giebt seinen
Arbeiten ihren Wert. Gerade
solche bescheidene, weil natürliche
Sprache des Modernen muss
man immer wieder hervorheben
gegenüber dem effektvollen, aber
meistens weit hohleren Formenwesen
, das seine Motive nicht
nach den Gesichtspunkten vornehmer
Nützlichkeit, sondern in
erster Linie nach Gesichtspunkten
der Koketterie gestaltet. f. s.

Ueber Tradition und Nachahmung
wäre, was unser Gebiet
betrifft, so manches ernste Wort zu
sagen. Wird uns einerseits mit
einem gewissen Recht Mangel an
Tradition vorgeworfen, so herrscht
andrerseits umso erschreckender
die Nachahmung. Auf eine selbstständige
neue Schöpfung kommen
zehn, ja hunderte von Nachbildungen
, und sie sind meist fürs
wenigste ebenso schlecht und unverstanden
, wie jene es waren, die
alte Kunst zum Vorbild nahmen.

Nun wurde erst jüngst in diesen
Blättern betont, dass gerade auf
kunstgewerblichem Gebiete nicht
jeder ein Meister sein kann und

zu sein braucht, dass vielmehr Verarbeiter
von bereits gegebenen neuen Ideen ein Mittelglied
zu bilden berufen sind zwischen dem
Individualismus des Erfinders und den Bedürfnissen
der Allgemeinheit, aus welchem
Zusammenwirken „Stil" entsteht. Wo aber
liegt hier die Grenze zwischen Nachahmung
und Ueberlieferung? Ist sie feststehend
oder variabel? — Die Frage, meine ich, ist
die: ob jeweils lebendiger Gedanke oder tote
Form zu Gevatter stehen.

Die Idee, den neuen Gedanken verwerten
, d. h. fruchtbar machen, indem mannigfaltige
Formen dem einen gleichen lebendigen
Schoss entkeimen, das ist nicht Nachahmung,
sondern daraus kann wenn der Gedanke
wirklich lebens- und entwicklungsfähig ist -
Stil und Tradition sich bilden. Es ist, als
wenn ein starker, klarer Quell der Berges-
höh' entströmt und dann sich teilt in viele
kleine Bäche: das gleiche Wasser fliesst in
ihnen allen; doch je nach dem Boden, je
nach Gefäll und Umgebung fliesst es verschieden
und erfüllt verschiedene Bestimmung:

max hans kühne

halle in der villa trummler

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