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PAUL HOPPE « DETAIL VOM EINGANG EINES WOHNHAUSES IN DER MEINECKESTRASSE
besten, was heute auf diesem Feld geschaffen
wurde. Wir Deutsche sind vielleicht geneigt,
in dieser Formsprache, dadurch, dass wir ihr
ferner stehen, etwas ganz Neues zu erblicken;
wer aber die holländische Schmuckkunst näher
kennt, wird auch hier den gemeinsamen Formgedanken
im Sinne der Tradition erkennen.
Zum Schluss begegnen wir nochmals Paul
Kersten, dem geschickten Buchkünstler, der
uns hier nun mit einem originellen, ungemein
rassigen Schachspiel überrascht. Die Figuren
wirken so vorzüglich in ihrer kecken, eleganten
Silhouette, sie sind dabei so handlich
und technisch so gut, dass man wirklich gar
nichts andres daran haben möchte. Sie müssen
eben so sein wie sie sind, und das ist wohl
kein schlechtes Lob.
Nicht weniger als das Bild unserer Städte
hat sich das Bild, das unsere Begräbnisplätze
bieten, in diesen Jahren geändert. Ja dort,
wo das Monument einem rein künstlerischen
Zwecke dient: den Eindruck des Weihe- und
Stimmungsvollen (leider manchmal auch des
Pompösen) zu erzeugen — da haben sich unsere
Künstler rascher und gründlicher die neuen
Ausdrucksmittel unserer Zeit angeeignet, als
auf dem Gebiete der städtischen Architektur.
Hier gefallen sich so viele in Aeusserlichkeiten,
dass man in hundert Fällen 99mal annehmen
kann, dass, wo die dekorative Wirkung
einer Architektur durch reiche moderne Ornamentik
angestrebt wird, es innere künstlerische
Gebrechen zu verdecken gilt.
Vor der Grösse und Einfachheit des Todes
wenigstens scheinen solch enragierte Dekorateure
einzuhalten oder doch von dem natürlichen
Gefühle der Besteller ferngehalten zu
werden. Und so vermehrt sich täglich die
Zahl guter, von ernster Empfindung zeugender
Grabmonumente.
Das Beispiel, das wir heute veröffentlichen,
giebt namentlich inseinen grosszügigen, ruhigen
und festen architektonischen Linien solchem
Gefühle Ausdruck. Die schlichte Einfassung
der Stätte, der festgegliederte, gut silhouettierte
Hintergrund, in dessen Rund sich die scharfen
Züge einer Bronzefigur gegen das zurückliegende
Grün weich abheben, - - sie ergeben
einen ernsten und erhabenen Ausdruck, dessen
Stimmung wir uns nicht entziehen werden.
Darüber kann man auch so manches, etwas
kleinliche oder vorlaute Detail namentlich der
Bronze selbst vergessen, das zu Gunsten einer
feierlicheren Wirkung besser zurückgedrängt
worden wäre.
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