Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 394
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^-^> DIE TURINER AUSSTELLUNG <^=^

RAIMONDO D'ARONCO « DIE KUPPELHALLE DES HAUPTGEBÄUDES

Tadel ist mir herb genug für diesen Bazar
von Mittelmässigkeiten, in dem da und dort
ein künstlerisches Werk, eine gute Arbeit
mitleidiges Erstaunen weckt. Es ist jetzt nicht
mehr möglich, mit jener Gutmütigkeit, die
anfängt, die übelsten Folgen zu tragen, über
Schlechtes hinwegzusehen und jedem guten
Topf, jeder geschickten Nachahmung fremder
Eigenart gegenüber Freudenschreie und verzückte
Rufe auszustossen. Wir alle haben
unser Teil gethan; an Ermunterungen hat es
niemand fehlen lassen. Nun ist die Saat in
bedrückender Fülle aufgegangen, und es wäre
ebenso thöricht, das Unkraut für goldgelbe
Kornähren anzusehen, als die hochweise Politik
des Vogel Strauss zu treiben und wiederum
mit lauen Worten über Schlechtes und Gleichgültiges
hinwegzugehen. So mögen allen Abteilungen
dieses grossen Jahrmarkts des Kunstgewerbes
gegenüber gerechte, harte und unverhüllte
Worte am Platze sein.

Zwei Jahre sind seit der grossen Pariser
Ausstellung vergangen. Damals setzte sich im
Bewusstsein der Völker die neue Kunst durch.
Damals sah man, wie unlöslich die Entwicklungen
sozialer und künstlerischer Art verquickt
sind, wie ein neuer Lebensinhalt eine
neue Lebensform verlangt, und wie das letzte
Jahrzehnt des sterbenden Jahrhunderts als
letzte Kulturarbeit noch die Umwertung auch
dieses Wertes vollzogen hat. Keine einzige
Nation war unberührt geblieben von dergrossen
Welle, die künstlerische Begeisterung und
Energie überallhin getragen hatte. Frankreich
schien am konservativsten, Italien noch am
stärksten unter dem drückenden Banne alter
ruhmvoller Tradition und verlotterter Industrie
. Die deutsche und österreichische Abteilung
aber waren ein wundersam erfreulicher
Beweis der künstlerischen Kräfte. Wer bis
dahin mit einem leichten Lächeln all das
moderne Kunsthandwerk als flüchtige Mode,
spielerisch - reklamehaftes Treiben einiger
Künstler hatte hinstellen wollen, wurde nun
belehrt, und mit den besten Hoffnungen durfte
man in die Zukunft sehen. Die Franzosen
hatten sich als vortreffliche Keramiker, Glaskünstler
und Juweliere erwiesen, von England
her kam die stets befruchtende Sicherheit
neuer architektonischer und konstruktiver

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