Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 398
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-^ö> DIE TURINER AUSSTELLUNG <&$*^

LUDWIG BAUMANN « DER ÖSTERREICHISCHE PAVILLON

Einfälle, in Dänemark bemühte man sich mit
dem besten Gelingen um Porzellane, und wir
in Deutschland und Oesterreichhattenbewiesen,
dass es an künstlerischer Laune, an Fähigkeit
der Konstruktionen, an Geschicklichkeit
der Ausführungen nicht fehle - - die schönste
Aussicht auf Gelingen aller Pläne zeigte sich
selbst dem Skeptischesten. Die Völker sollten
nun, eines vom anderen befruchtet, innerlich
jedes reicher aus solchem Austausch der Kräfte
und Ideen hervorgehen und jedes seine besondere
Eigenart entwickeln. Da konnte es, durfte
man meinen, an jenem Erfolge nicht fehlen,
der innerlichste Bedingung der neuen Bewegung
ist: dass diese Kunst ins Leben eindringe
, kein Fremdling, kein trauriger Ausstellungsgast
bleibe. Nun sind zwei Jahre
ins Land gegangen. Ich brauche wohl nicht
auszumalen, was geschehen ist. Ich will auch
vom allgemeinen Stand der Meinung dem neuen
Gewerbe gegenüber nicht sprechen. Jeder
Schaffende weiss, wie viel Misstrauen gerade
heute nach all den Erfolgen, nach all den Fortschritten
, die gemacht worden sind, wach und
rege ist. Und ein seltsam zwiespältiges Gefühl
hat sich gerade bei den Freunden des modernen
Handwerks eingestellt: eine langsam
wachsende Angst, dass die Arbeitsmethode,
die jetzt herrscht, vom grössten Uebel ist.

Ich sehe die grösste Gefahr in den fortwährenden
Ausstellungen. So werden die Künstler
verleitet, die besten und wertvollsten Sätze des
neuen Kunstgewerbes wieder zu verlassen: von
Ehrlichkeit der Konstruktion, Aufrichtigkeit des
Materials, Uebereinstimmung von Zweck und
Form und Individualität des Interieurs kann
bei Austellungszimmern doch nur mit den
stärksten Einschränkungen die Rede sein. Das
kontinuierliche Lösen fiktiver Aufgaben, die
für den Jahrmarkt erforderliche Rücksicht auf
die flüchtige äusserliche Wirkung, die Hast des
Treibens, die Ueberhitzung und nicht zu mindest
die übertriebene Wertschätzung des Ausstellungserfolges
sind Schäden, die gar nicht
ernst genug bedacht werden können, wenn es
sich um die Veranstaltung einer neuen Ausstellunghandelt
. Ich bin wahrhaftig nicht gegen
diese Institution. Die kulturbildende Wirkung
der letzten Pariser Ausstellung ist unverkennbar
. Nach zwei Jahren aber wieder zu einem
internationalen Wettkampf herauszufordern,
war gefährlich. Nun ist der Misserfolg da, und
man kann nur seine Gründe auseinandersetzen
. Da ist also vor allem die kurze Frist
seit Paris. In zwei Jahren vollziehen sich
keine epochalen Umwälzungen. Die Künstler
haben mit ihren lokalen Ausstellungen genug
zu thun, und was einer zu lernen hatte, konnte

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