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dann in Wahrheit ersten Ausstellung moderner
dekorativer Kunst, in der kein einziges Stück
des Stempels der künstlerischen Eigenart und
Persönlichkeit entbehren sollte, die nicht
durch ihren Umfang, sondern durch Reichtum
der Motive und Harmonie wirken dürfte, und
die vor allem eines zu zeigen hätte: bürgerliche
Räume. Die Kunst im Leben - - wäre da
zu sehen. Hier aber und anderswo zeigt man
immer wieder: Ausstellungskünsteleien.
DIE SEKTION SCHOTTLAND
Ueber die besondere Art und die Persönlichkeit
des Ehepaares Mackintosh-Mac-
donald und des ihnen verschwägerten Mc-
Nair-Macdonald ist in diesen Blättern schon
so ausführlich in Text und Abbildungen gesprochen
worden, dass es sich für mich erübrigt,
im besonderen die Fähigkeiten und den künstlerischen
Charakter dieser zarten schottischen
Poeten zu analysieren. Es sei mir also nur gestattet
, zu urteilen, dass die beiden Interieurs
dieser Ehepaare weitaus die künstlerischesten
der ganzen Ausstellung sind. Die Lieblichkeit
dieser weissen Möbel, die Strenge, das Asketische
dieser stillen Dekorationen, die Feinheit
der Metallarbeiten und der komplizierten
Plaster- und Applikations-Reliefs,
- das alles vereinigt sich in dem
zarten blumenhaften Duft des
ganzen Raumes zu einer höchst
eigenartigen Wirkung. Es ist ja
im Detail dann wahrhaftig gleichgültig
, dass ich mir manchmal
doch etwas breitere Formen, etwas
weniger Puppenformat gewünscht
hätte, — hier prägten sich doch
Persönlichkeiten aus. Und gerade
darnach muss man sonst auf dieser
Ausstellung recht lange suchen.
Die Farbenskala ist weiss - rosa,
etwas holzgrün tritt hinzu. Die
Formenwelt kann ich nicht besser
umschreiben, als wenn ich diese
schlanken stilisierten Mädchen : asketische
Umbildungen prae-raffae-
litischer Motive nenne. Hier fehlt
jedoch jener Einschlag südlicher
Weichheit - - der durch das italienische
Blut Dante Gabriel Ros-
setti's — die englische Schule veredelt
hat. Auch wird man japanische
Einwirkungen auf Mackintosh,
Macdonald, Mc Nair, diese enge
Künstlerfamilie, erkennen können;
doch sei nicht verhehlt, dass man
mit derartigen Parallelen dem
Wesen künstlerischer Dinge nicht
allzu nahe kommt. Im besonderen
möchte ich nur auf den einen
Schreibtisch hinweisen, der so
recht ein sorgsames Stück Dichter-Künstlerarbeit
ist, wie man es in unserer hastigen
Zeit sonst nicht oft findet. Er ist bis ins
Kleinste durchdacht, oder besser durchdichtet
, dieser Tisch, auf dem ein Geliebter
an seine Geliebte schreiben soll, und der
allerlei Bild- und Reliefeinlagen zeigt, ein
Mädchen, das weint, da er nicht schreibt,
die Seligkeit eines symbolischen Kusses, Entzücken
und Trauer der Einsamen. Dieser
kleine Sekretär gehört zu den wenigen Objekten
der Turiner Ausstellung, von denen
aus sich auch eine Brücke wölben lässt
zur Renaissance-Kunst, wo ein Meister mit
künstlerischem Behagen bei poetischen und
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