http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0430
UNSER MONUMENTALES GESAMTEMPFINDEN
Von Richard von Schneider, Florenz
Die Phantasie der jugendfrischen Künstler
bewegte sich bisher in Einzelmotiven.
Wohlabgeschlossene Gesamtanlagen, wo Architektur
, Skulptur und Gartenbau einen volltönenden
Chor bilden, perspektivisch wirkungsvolle
Palast- und Platzdispositionen hat
sie uns bisher vorenthalten.
Gelegenheit gäbe es genug, unser architektonisches
Gesamtempfinden zu zeigen,
wenn auch nur vorübergehend, etwa bei
Ausstellungsbauten für Kunst, Gewerbe,
Agrikultur; an vorüberrauschenden Festen
aller Art mangelte es in den letzten Jahren
gewiss nicht!
Abgesehen von der Innenausschmückung
solcher Ausstellungsbauten, bei denen Fortschritt
und glückliche Erfolge nicht wegzuleugnen
sind, vermissen wir bei der gesamten
Grundrisslösung eine perspektivisch
wirkungsvolle Anordnung, bei der Gruppierung
von Festplätzen und Promenaden jede gesunde
Phantasie, obgleich sie oft unbeschränkt
walten könnte.
Selbst das „Darmstädter Dokument deutscher
Kunst" enttäuschte wohl am meisten durch
seinen Lageplan, obgleich diese Ausstellung
mit bleibenden Objekten zu rechnen hatte,
und der Raum von 10000 qm keine Beschränkung
auferlegte. Bei aller aufrichtigen
Wertschätzung von J. M. Olbrich's Begabung
john ednie, büffet
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