Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 409
(PDF, 126 MB)
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DIE SEKTION SCHOTTLAND

können wir nicht leugnen, dass er uns dabei
jede leise Andeutung schuldig blieb, ja er
verrät, trotz aller Vorliebe des sich Ausschreibens
, mit keiner Silbe auch nur einen
Gedanken, geschweige originelle Gesichtspunkte
über diese brennende Frage.

Die Architekten lieben es in neuerer Zeit
wieder, phantastische Entwürfe und Einfälle
aller Art zu veröffentlichen, eine Gepflogenheit
, die sie mit Barockkünstlern und manchen
alten Renaissancemeistern teilen. Welch ein
Unterschied rein stofflich betrachtet! Jene
zeichnen Innenräume, Palastfassaden, böck-
linische Stimmungsarchitektur, diese grosse
phantastisch historische Erinnerungen, rein
perspektivisch lineare Inspirationen, wobei
sich ihre volle Lust und helle Freude an
Gesamtdispositionen und perspektivischen
Durchblicken zügellos austoben konnte, was
ihnen die Realität oft versagte.

BLUMENTISCHCHEN « ENTWORFEN VON E. A. TAYLOR
AUSGEFÜHRT VON WYLIE & LOCHHEAD, GLASGOW ««

DRFITEILIGER WANDSCHIRM « ENTWORFEN
VON E. A TAYLOR « « AUSGEFÜHRT VON
WYLIE & LOCHHEAD, GLASGOW ««««««

Besonders aber rächt sich diese Vernachlässigung
unserer Kunsterziehung, die versiegte
Empfänglicheit für jenes Raumgefühl,
über welches das XVII. Jahrhundert in herrlichster
Weise zu verfügen verstand, der
Mangel von Empfindung für harmonische
Unterordnung in die bestehende Umgebung
bei der Erhaltung unserer alten Baudenkmäler
, bei Anordnung hervorragender Monumente
, ja bei allen Städteregulierungsfragen.

In einem Aufsatz dieser Zeitschrift „Zur
Rettung unserer alten Baudenkmäler", hat
Hermann Muthesius dieses moderne Restaurationsverfahren
treffend als Dokumentenfälschung
bezeichnet und die Zerstörung der
uns lieb gewordenen Werke durch das Umbauen
geschildert (Aprilheft 1902).

Es genügt daher ein kurzer Hinweis, um
weiter klarzulegen, wie unsere Altertümer
durch die Veränderung ihrer nächsten Umgebung
oft geschädigt werden. Jedes Bauwerk
wurde stets in die betreffende Umgebung
hineinkomponiert und namentlich mitbestimmend
war die Höhe der anschliessenden
Häusergruppen, welche durch ihre Anspruchslosigkeit
mit ihren ruhigen Mauerflächen das

Dekorative Kunst. V. tt. August 1902.

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