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^=4^> DIE SEKTION ENGLAND <^=^
c. r. ashbee « standuhr
gotische Kathedrale die Platzgruppen
entsprechend feierlich
mystisch dazu stimmen können,
dem selbstherrlichen Barockpalast
mit kräftigen Profilen und seiner
überreichen Ornamentik, eine einfache
, grossflächige Umgebung als
Kontrast entgegenstellen, oder in
der modernen Gartenanlage seine
reiche Rhythmik austönen lassen,
endlich unserem altdeutschen Renaissance
-Rathaus die Intimität seines
Plätzchens bewahren. Die Nais-
sance im vollgestimmten Accord!
Nichts mehr zerstören, alles bewahren
und diese völlige Neugeburt
wird dadurch ungeahnte, neuartige,
individuelle Harmonien zwischen
unserer Ahnenwelt und unserer
ganzen Persönlichkeit schaffen.
Fort mit allen Schulvorurteilen!
Dass auch die Modernsten davon
angekränkelt, beweisen nicht nur
ihre verfehlt dekorierten Bauten,
ihre Schulthemata, sondern ihre
falschen Dogmen über Symmetrie-
axen, von geschlossenen axealen
Grundrissdispositionen über Augruhepunkte
, Locierung und Markierung
von Axenbrüchen, und wie
sonst diese akademischen Phrasen
heissen mögen! Sie bestehen ja
nur für Reisschiene und Reissbrett
. Nur eins ist not! Feiner
durchgebildeter Geschmack.
Zur grossen Enttäuschung und wenig aussichtsvoll
wird der Blick, der sich auf die
Motivenarmut unserer Monumente und die
vollständige Entartung unserer Gartenanlagen
richtet. Sind reichliche Mittel vorhanden,
so wissen Bildhauer und vor allem Architekten
bisher nichts Besseres anzufangen,
als das Monument in eine halbrunde Rückenwand
oder Bogenhalle zu setzen oder gar
darüber eine monströse Anlage zu errichten,
welche das eigentliche Standbild als Nebensächlichkeit
behandelt. Auch der differenzierte
, so beliebte Masstab schädigt meist in
der Gesamtwirkung beide Teile. Die hervorgehobene
Statue erscheint plump, die
Umgebung wie Kinderspielzeug, um den Ausdruck
Lichtwark's zu gebrauchen.
In der Auffassung, nicht in der Grösse
der Massen, sollte wahre Monumentalität zu
suchen sein. Aus Mangel an richtigen Plätzen
c. r. ashbee «schrank aus grünlich-gebeizter eiche
mit einlegearbeit und oxydiertem beschlag«*«*««
Dekorative Kunst. V. n. August 1902.
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