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-s3-4sö> UNSER MONUMENTALES GESAMTEMPFINDEN <^=^
THE GUILD OF HANDICRAFT, LONDON « GÜRTELSCHLIESSE UND
AGRAFFE, IN SILBER GETRIEBEN, MIT PERLEN UND EMAILLE * « «
Vorerst müssten aber die deutschen
Vorurteile gegen wahre Gartenkunst
fallen, denn unsere gegenwärtigen
Gartenanlagen lassen sich
niemals mit künstlerischen Ideen
in Einklang bringen.
Solch eine moderne Gedankenlosigkeit
, wie unlogisch und unkonsequent
! Kastrierte Blumen,
Missgeburten der Natur, krankhaft
gezogene Gebilde, die nur
dem Fanatismus eines grübelnden
Fachmannes oder eines geschmacklosen
Gärtnerhirns entsprangen,
gefüllte Rosen, plumpe Astern, unförmliche
Blütenstände von Chri-
santhemen bewundert der Alltagsmensch
; dagegen vor fein abgewogen
beschnittenen Baummassen
und Blätterwänden kann er sich
nicht genug entrüstet zeigen über
diesen menschlichen Natureingriff.
Als ob der Eingriff bei dieser naturwidrigen
, geschmacklosen Blumenzucht
nicht brutaler wäre! Die
Engländer haben sich ihren gesunden
Sinn für Gartenkunst bewahrt
, den Deutschen aber ist er
verloren gegangen, obwohl wir,
wie Lichtwark auseinandersetzt,
an die besten Traditionen anknüpfen
könnten.
Eins thut not, das architektonisch
monumentale Gesamtempfinden
undunser Interesse fürperspektivische
Wirkungen wachzurufen.
RICH. VON SCHNEIDER « LAGEPLAN FÜR EIN PROJEKT
ZUR BEBAUUNG DES KARLSPLATZES IN WIEN««««*
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