Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 420
(PDF, 126 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0442
-^sö> UNSER MONUMENTALES GESAMTEMPFINDEN <^M^

Möchten die bildenden Künstler und diejenigen
Architekten, welche nicht in falschen
Doktrinen befangen sind, ihren frischen Sinn
und ihr klares Verständnis häufiger auf die
grosse Gesamtkomposition lenken!'

Als freie Menschen, ohne Parteistandpunkt
schauen wir hinweg über kleinliches Cliquenwesen
und falsche Götzen, über Grössen-
wahn und Dogmen und verrostete Vorurteile
, und richten den Blick nicht auf unscheinbare
Einzelformen, sondern auf die
Raumpoesie einer ersehnten monumentalen
Architektur modernster Art und deutscher
Scholle, welche nicht in Palmenhäusern gezüchtet
, sondern frisch und frei erblüht sein
möge!

Zum Schluss möge der auf Seite 419
beigefügte Lageplan jedem unbefangenen
Leser zur eigenen Anregung und zum Nachdenken
erzählen, wie man eben wieder im
Begriff steht, ein grossartiges Bauwerk, die
1736 von Bernh. joh. Fischer von Erlach
erbaute Karlskirche in Wien, durch Freilegung
und verfehlte Verbauung, in ihrer
Wirkung zu schädigen. Die grauen Striche,
bezeichnen den vom Wiener Stadtbauamt
vorgelegten Entwurf. Camillo Sitte bezeichnet
die Freilegung als monumentales
Unglück und bekämpft seit Jahren diese Idee.

Er wendet dagegen folgendes ein: „Die Hauptfassade
mit beiden seitlichen Durchgängen. . .,
ist durch dieses Bindungsmotiv ganz unverkennbar
auf beiderseitigen Gebäudeanschluss
berechnet, . . . denn man hätte dann zu beiden
Seiten zwei grosse Thorbogen, welche nirgends
hinführen und auf freiem Platz ein
sinnloses Motiv wären." („Städtebuch" III. Auflage
, Seite 32, Zeile 17.) Diese riesige
Fläche soll dazu mit einer englischen Gartenanlage
bedacht werden oder einen „mälig zu
den Kirchenstufen hinanführenden durch
Kandelaber markierten elliptischen Platz" erhalten
!

Es wäre kaum glaublich, wenn es nicht
bei einer stattgefundenen Konkurrenz für
ein städtisches Museum als offizielle Grundlage
vorgelegen hätte. Sollten sich für eine
solche unkünstlerische Idee wirklich ihre
modernsten Vertreter erwärmen? Bereits wird
von einer Klaque diese projektierte Anlage
als einer der „schönsten Plätze der Welt"
bezeichnet. Schade für die moderne österreichische
Kunst, schade um dieses herrliche
Denkmal! Die beigefügten Zeichnungen mögen
eine einfache, künstlerisch beinahe einzig denkbare
Lösung dieser Platzfrage, von der belanglosen
Fassadenbildung gänzlich ab gesehen,
darstellen.

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