http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0450
-^s^> DIE KARLSRUHER JUBILÄUMSAUSSTELLUNG <^^-
DAS DEUTSCHE STADTE-AUSSTELLUNGSPLAKAT
Von Johannes KLEiNPAUL-Dresden
Am aller sichtbarlichsten bezeichnete die mo-
>> derne Plakat-Kunst der letzten neunziger
Jahre den Wiedereintritt von Kunst ins Leben.
Ein herrliches und freies Schwelgen in neuerwachten
Formen und klaren Farben that vor
aller Welt sich auf. Aus reiner Kunstfreude
blieb man immer wieder vor den Litfassäulen
stehen und nahm mit dem edlen Eindruck
zugleich von ihrem Ankündigungsinhalt Notiz.
Dabei bewährte sich zumeist deutsche Art.
Die Elemente der Japaner, Engländer und
Franzosen, von denen wir die Affichenkunst
haben, waren rasch abgestreift. Nur die
guten Anregungen blieben, die frei entfalteten
sparsamen Linien, die klar leuchtenden, kräftig
nebeneinander gestellten Farben, — der imponierende
flotte Zug. Je einfacher die Mittel,
je stilvoller die Technik, umsomehr erschien
der Künstler gross.
Jetzt, ein schlimmesZeichen einerschlimmen
Zeit, ist scheint's diese blühende Kunst vorbei
. Ihre Pflege ist wieder einmal auf die
wenigen Anstalten grössten Stils beschränkt,
denen an aktuellstem und zugleich allgemeinstem
Interesse besonders viel liegt, vornehmlich
Ausstellungen. So veranstaltete die
Deutsche Städte-Ausstellung, Dresden
1903, einen Plakat-Wettbewerb unter den
deutschen Künstlern. Einige achtzig Entwürfe
gingen daraufhin ein und waren im Dresdener
Ausstellungspalast zu sehen.
Der Saal machte einen höchst mannigfaltigen
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