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-b-Isö> DIE TURINER AUSSTELLUNG <^u-
speisezimmer « entworfen von arno körnig « schreinerarbeiten
ausgeführt von jul. jarotzki, berlin «««?««
ich versuche, mir die beiden Bauten in die Erinnerung
zurückzurufen, die Baurat Baumann
von aussen nach innen von der spielerisch
angelegten Fassade zu dem gleichgültigen
Grundriss entworfen hat, kommen
mir zwei Neuerscheinungen in die Hände,
die Werke des Oberbaurats Otto Wagner
und seines Kreises zeigen. Die reich illustrierte
Neuauflage „Moderne Architektur"*)
und der Rechenschaftsbericht der Wagner-
schen Schule**) wecken das heftigste Bedauern
, dass alle diese Künstler sich, persönlichen
Stimmungen folgend, fern gehalten
haben. Dazu kommt noch, dass der Kreis
des österreichischen Museums, der die Ausstellung
also bestritten hat, und aus dem
heraus Jahr für Jahr gewiss manche gute
und fruchtbare Arbeit geleistet wurde, dieses
Jahr durch die österreichische Ausstellung
*) Verlag von A. Schroll & Cie., Wien. Preis
M. 12.50.
**) Aus der WAGNER-Schule 1901, ebenda. Preis
M. 21.—.
in London sehr in Anspruch genommen
wurde und deshalb hier schlechter auftritt,
als nötig gewesen wäre. Es ist zu viel
Gleichgültiges, Anständiges, zu wenig Originelles
und Künstlerisches da. Die Luft ist
nicht allzu frisch, Eigenarten sind rar. Gott
besser's!
Ein Kiosk mit halbrundem Vorbau, ganz
willkürlicher Fassade und nicht sehr geschmackvoller
, „sinniger", schwarz-gelber
Ornamentation enthält die Kleinkunst und
einige Interieurs. Bekanntes sieht man hier
mit Vergnügen wieder, über anderes schüttelt
man eben noch einmal den Kopf, was in
unseren Zeitläuften (auch in der Umsetzung
in Kritik) wenig Eindruck macht. Die
spaun'schen Gläser und die hübschen Formen
und Farben der mannigfachen Vasen und
Schalen, die E. Bakalowits Soehne in Tif-
fany'scher Art durch die MosER'sche Schule
machen lassen, gehören zum besten. Die Lob-
MEYR'sche Manufaktur hat einige schön gegeschliffene
Gläser (von Marschall u. a.)
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