Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 460
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^=3g> DIE TURINER AUSSTELLUNG <^=^

neue Freunde schufen. Und Bing, der Chef
des f Art nouveau, der praktische Mann, der
Europa so viel von ostasiatischer Kunst gezeigt
hat, lässt durch seine Zeichner Colonna,
de Feure, Delancourt dort anknüpfen, wo
das 19. Jahrhundert einen Absatz gemacht hat:
vor den Formen des Empire und Directoire.

Der Einfluss van de Velde's in Frankreich
war kurzlebig, und die dünnen englischen
Möbel haben nur in gewisse kosmopolitische
Kreise Eingang gefunden, sind eine sterile
Mode. Hier und da findet man sie. Reiche
Menschen haben auch so einen Salon. Ins
Leben selbst hat derlei jedoch wenig Eingang
gefunden.

Die Werke von Plumet und Selmersheim
so gut wie die von Serrurier, sie zeigen
noch dieselben Eigentümlichkeiten wie vor
Jahren. Ohne Entwicklung werden dieselben
Kurven weitergeschwungen, dieselben Farbenstimmungen
wiederholt. In Turin gab es
übrigens nur Bekanntes dieser Architekten.
Ein paar Töpfe von Bigot, einige anständige
Metallarbeiten von Breteau und die trefflichen
Emails von Feuillatre, — das ist alles
was in der französischen Sektion, die übrigens
von Besnard mit einigen schönen, doch
durchaus nicht dekorativen Gemälden geschmückt
wurde, angenehm auffällt. Mit
Schrecken sieht man die grotesken Möbel
von Majorelle, die den Eindruck von Natur,
Blume und Feld durch Intarsia in dunkeln
Farben vortäuschen wollen, und mit raschen
Schritten geht man an der Ausstellung einer
Gruppe von Nancy vorbei, wo die guten

THEETISCHCHEN AUS GLAS UND NICKEL « AUSGEFÜHRT
VON E. BAKALOWITS SÖHNE, WIEN«*

OTTO PRUTSCHER « KASSETTE « HOLZSCHNITZEREI
VON FRANZ ZELEZNY c « «

Arbeiten Galle's industriös verballhornt
werden.

Abseits von der offiziellen Galerie haben
die beiden grossen Pariser Kunstläden ausgestellt
; L'Art nouveau von Bing und La
Maison Moderne von Meyer-Graefe.
Die Maison Moderne hat aus der Welt
zusammengetragen, was es so an hübscher
und geschmackvoller Kleinkunst
giebt. Man sieht die Kopenhagener Tiere,
Plastiken von dem Deutschen Hoetger,
der in farbiger Fayence scharfe naturalistische
Menschendarstellungen giebt,
einige Fauteuils mit gepresstem Leder
von Lemmen und Landry. Die farbigen
Ledersachen sind vielleicht das amüsanteste
, das Meyer-Graefe in seiner
internationalen Sammlung mehr oder
meist minder guter Ware hat; es sind
einfallsreiche Bildchen von Waldraff,
Lemmen, Biais oder Landry, die Pariser
Sentiments vorgaukeln, kokette Dämchen,
verruchte petits trottins, Blumen des
Lasters und des Pflasters. Schliesslich
also doch Dinge, die etwas Pariser Luft
haben; was nämlich sonst der Maison
Moderne doch fehlt.

Bing's L'Art nouvean hat einen

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