http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_06_1902/0485
-b»4^> DIE SEKTION FRANKREICH <^=u^
FÄCHER « ENTWORFEN VON G. DE FEURE « AUSGEFÜHRT VON L'ART NOUVEAU, PARIS
sehen war, den Charakter einer Schulausstellung
hatte, wie man sie in den ersten
Jahrgängen unserer kunstgewerblichen Anstalten
immer wieder sieht, und dass, da ja
meist nur Fabrikanten, nicht aber Künstler
ausstellten, der Rückschluss, den man auf
die Begabungen, die da zu Tage traten, zu
machen hat, nicht sehr erfreuliche Ergebnisse
zeigt. Will man sich hierüber Rechenschaft
geben, so kann man nach mehrerlei
fragen: ob eine neue Technik den Fremden
gezeigt worden ist, die für diese lehrhaft und
deshalb von Bedeutung ist, oder ob da und
dort eine neue Form sichtbar wurde, ein interessanter
Versuch der Konstruktion oder doch
der Benutzung der Form zur Dekoration,
und schliesslich, ob vielleicht die koloristische
Begabung des Volkes so stark zu Tage
getreten ist, dass man auch für die gesamte
europäische Entwicklung davon etwas zu
erwarten hätte. Allein auf alle diese Fragen
giebt es nur eine negative Antwort; es ist
in keiner Hinsicht etwas Neues geleistet
worden. Natürlich ist der traurige Eindruck,
den Italien auf der Ausstellung in Paris
machte, nicht mehr so vollständig wiederholt
worden, denn seitdem haben die Leute eben
eine Menge gelernt, und wenn auch die Jury
es nicht vermeiden konnte oder wollte, dass
in der italienischen Abteilung eine Menge
von Bazarware zu sehen ist, so vermisst man
doch mit Freude die gewissen Venetianer
Gläser und die schwarz lackierten Neger,
die Visitenkartenschalen tragen. Das ist
immerhin ein Fortschritt, wenn auch nicht
positiver Art. Was aber gemacht worden ist,
das ist stillos in den allermeisten Fällen,
immer aber eine Nachahmung fremdländischer
Kunst, fremdländischen Handwerks und zum
Uebel nicht einmal aus der Anschauung der
Objekte selbst entstanden, sondern eine Frucht
eifriger Durchsicht der verschiedensten Kunstzeitschriften
. Englische und belgische, süddeutsche
und österreichische Motive fluten
G. LEMMEN«LEDERMAPPE« LA MAISON MODERNE, PARIS
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