Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 466
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^sö> DIE TURINER AUSSTELLUNG <^-^

tasse, viereckige schüssel und theekännchen * ausgeführt von l'art nouveau, paris

deren beste Eigenschaft ihre Billigkeit ist, -
die Räume kosten zwischen 600 und 700 Lire -
und es scheint mir, dass in der Uebung solcher
ökonomischer Raumausstattungen vielleicht
der beste Weg zu einer gesunden kunstgewerblichen
Entwicklung Italiens liegt.

Weitaus besser als mit der Wohnungskunst
steht es in Italien mit der Keramik, da ja
hier eine alte und künstlerische Tradition
eine Anknüpfung der neuen Kunst ans alte
Handwerk ermöglicht. Der stärkste Grund
für die mangelhafte Entwicklung der Interieurkunst
scheint mir nämlich darin zu liegen,
dass in den reichen und kunstliebenden Bewohnern
Italiens die Freude an den Renaissance
- und Mittelalter-Möbeln noch so
ungemein stark ist, dass Neubildungen gar
nicht versucht werden, während der Mittelstand
ein Bedürfnis nach wirklich eingerichteten
Wohnungen gar nicht kennt und sein
Leben auf der Strasse verbringt. Die Töpferei
aber hat zu allen Zeiten in Italien geblüht,
als eine Kunst der Landbevölkerung in den
Bauerntöpfereien und dann als eine sorgfältiger
als die übrigen betriebene Industrie für
den Fremden. Eine junge Vereinigung, die
„Arte della Ceramica" in Florenz, deren
Leiter ein Amateur von hervorragend gutem
Geschmack, der Conte Vincenzo Giusti-
niani, ist, bemüht sich seit einigen Jahren
um die Hebung dieser Kunst, und schon
in jenem armseligen Pavillon Italiens auf
der Pariser Kirmes konnte man einige gute
Teller und Ziervasen dieser Vereinigung
sehen. In den späteren Jahren haben sich
die Kräfte gesteigert, eine grössere Sicherheit
der Form und Farbenbehandlung hat
sich eingestellt und die Künstler, die der „Arte
della Ceramica" nahe stehen, sind in ihren
Dekorationen und Ornamenten immer einfacher
geworden und haben sich den Linien
der Natur immer mehr genähert. So kann
man an diesen Fayencen und Steingutvasen
mit ihren bald metallischen, bald dumpfen
Glasuren, ihrem Dekor, der bald seine Entstehung
der Zufallskunst des Feuers, bald
der Absicht des Künstlers verdankt, sehen,
dass es denn doch auch in Italien möglich ist,

teller aus der porzellan-manufaktur ginori, florenz

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