Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 6. Band.1902
Seite: 468
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-s?^> DIE TURINER AUSSTELLUNG -C^=^

kronleuchter aus schmiedeeisen mit flachreliefs « entworfen
von alice nordin « ausgeführt von der metallwarenfabrik
foerenade konstgj uteri erna, stockholm «

Schmuckwaren ausstellt, so glaube ich der
italienischen Sektion gerecht geworden zu
sein. Von der grossen Ausstellung der
Malereien und Skulpturen möchte ich nämlich
lieber nicht sprechen, da hier vielem
Bekannten, was man auf den regelmässigen
Ausstellungen (z. B. in Venedig) sehen konnte,
nur eine Ueberfülle von Mittelmässigkeit und
Talentlosigkeit angereiht worden ist. w. Fred

DIE SEKTION SKANDINAVIEN

Von den drei skandinavischen Ländern hat
nur Schweden in grösserem Stile ausgestellt.
Dänemark hat sich, sieht man von der geringfügigen
Schaustellung einiger Porzellanmanufakturen
ab, nicht beteiligt, und Norwegen ist
lediglich durch zwei Künstler, Herrn H. St.
Lerche und Frau Frieda Hansen vertreten.

Allerdings stehen Rang und künstlerischer
Wert dieser ganz intimen
kleinen Ausstellung weitaus höher
als manche volle Galerie. Denn
hier findet man starke Persönlichkeit
, hier spricht sich eigenartige
künstlerische Phantasie stilgerecht
aus. H. St. Lerche, von Abstammung
also Norweger, ist ein
Europäer kosmopolitischer Art. In
Düsseldorf ist er zur Welt gekommen
, in Italien hat er, einer
früh - jugendlichen Arbeitspassion
folgend, als allergewöhnlichster
Töpferlehrling gearbeitet, in Paris
sind seine ersten künstlerischen
Erfolge gekommen, und jetzt lebt
er wiederum in Rom. Wie sein
Leben das Zeichen ungestümen
Wandertriebes, die freie Lust am
Wechsel und der seelenbildenden
Entwicklung zeigt, so ist auch
seine Kunst vielfältig. Er versucht
sich mit dem allerbesten Gelingen
in Töpfereien der mannigfaltigsten
Art, Fayence, wie auch Steingut
und Steinzeug, nutzt die Naturmotive
oder das Spiel des Feuers,
formt die absonderlichsten Tiere,
grässliche wilde Fratzen. Oder er
wendet sich vom weichen Material
ab, folgt anderen Bedingungen
eines neuen Stoffes und schafft
in Bronze, jetzt meist in der romanischen
Technik ä cire perdu,
wobei das Wachs ihm die gute
Möglichkeit giebt, jeder noch so
leisen Neigung seiner Laune, seines
spielenden Talentes zu folgen. Es freut
diesen interessanten Künstler, der alle seine
Arbeiten bis ins kleinste selbst macht, ungemein
, merkwürdige Tiergestalten oder auch
Menschenzerrbilder zu schaffen. Die plastische
Karikatur ist seine Stärke. Dann wieder
nutzt er die Schärfe seines Auges und seiner
Charakterisierungskunst zum Bildnis, und
seine Büste des sitzenden Papstes, nach der
Natur modelliert, macht einen überwältigenden
Eindruck. Jene physische Schwäche, ja geradezu
Aufgelöstheit, das Staunen, dass noch Leben
und Fähigkeit zu Thaten in diesem gebrechlichen
Leib wohne, das jeder, der den heiligen
Vater jetzt zu sehen bekommt, unerhört stark
empfindet, ist in dieser Bronze aufs feinste
zum Ausdruck gekommen. Auch der graziöse
Schmuck PL St. Lerche's sei erwähnt. Die
Bildwebereien und handgearbeiteten Teppiche
der Frau Frieda Hansen mit ihren kräftigen

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