Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 1
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0019
FRANZ VON LENBACH

Lenbach ist eine ganz moderne grosse
Künstlerpersönlichkeit. Seine Schöpfungen
atmen den innersten Geist der Gegenwart,
in der sie entstanden sind und noch entstehen
, und der bezeichnend ist für unsere
Zeit und zwar nur für diese. In aller und
jeder Kunsttätigkeit vergangener Zeiten sind
die Empfindungen und Ideen, welche die Menschen
beseelten, wesentlich dieselben, nur
zeigen sie sich mit jeder Epoche an dem
grossen Baume der Kunst als neue Ringe und
mit diesen entsprießen sie aus dem alten
Stamm als frisches Grün und frische Blüten,
aus letzteren entstehen Früchte, bis dann
nach einer größeren Pause des Ruhens
und mit einem neuen Jahrhundertringe dasselbe
Schauspiel von neuem beginnt. Haben
wir heute das sprossende Grün; die Blüten;
die Frucht oder —? Wir wissen dies selbst
nicht, aber das können wir deutlich erkennen
, daß von Künstlerpersönlichkeiten ein
neuer Ansatz, wenn auch nur in einzelnen
Teilen der Kunst, beigefügt wurde. Und
Lenbach ist eine solche. Was er weitergeführt
, war ja wohl schon von früheren
Künstlern angebahnt, aber diese großen

Meister der Vergangenheit haben die Psychologie
ihrer gegebenen Charaktere, Lenbachs
eigentlichste Kunst, nicht als das hauptsächlichste
betrachtet, das rein Malerische ging
ihnen doch mehr oder weniger allem anderen
voraus. Und wie in der Literatur unserer
Zeit es fast zur Naturnotwendigkeit wurde, in
psychologischer Vertiefung weiter zu schreiten,
so ward in der Malerei durch Lenbach die
Aufgabe gelöst, das Innerste der menschlichen
Charaktere aufzudecken, das Seelenleben
der großen Geisteshelden zu verfolgen
und in malerische Form zu prägen. Dieser
Weiterschritt war das Neue, man mag sagen
das Moderne. Hinzu kommt aber die Könnerschaft
des Malens selbst, die, ungeachtet daß
sie der Renaissance-Kunst sehr viel verdankt
, durch die individuelle Persönlichkeit
verarbeitet, wieder etwas Neues, Eigenartiges
ward und das mit hinübernahm, was eine
ewige Forderung der Kunst sein und bleiben
wird, den künstlerischen Geschmack. Man
mag über diesen streiten wie man will,
auch soll es jedem unbenommen bleiben,
darin seiner Meinung zu sein, zugestehen
wird jeder, der einmal eine Lenbach-Aus-

Die Kunst für Alle XVIII. i. i. Oktober 1902

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