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FRANZ VON LENBACH
dem jugendlich
frischen Mädchenantlitz
des
Fräulein Olden
bis zum scharf
und markig geschnittenen
Kopf Döllingers
oder des mutigen
Nordpolfahrers
Nansen.
Ueberall Harmonie
und dabei
welch' eine
Welt des Ab-
standes, die dazwischen
liegt.
Faßt man einmal
die äußere,
die malerische
Erscheinung
dieser Werke
ins Auge, ohne
auf die wesentlichste
Eigenschaft
, die
Seelentaucherkunst zu achten, so charakterisiert
die Bilder Lenbachs, wie etwa die Rem-
brandts, der wundervolle Zauber seines Lichts,
der in diesen ausgegossen ist; als großes
Prinzip der prachtvolle Schmelz der Lokaltöne
und deren prägnante
Trennung, eine seltene
Einheit und Harmonie
in der Beleuchtung und
der Verbindung der
Formen unter- und miteinander
, dabei eine
feine Empfindung für die
Verteilung der Massen,
die fast architektonisch
zu nennen ist, auch den
besten Kunstwerken
aller Zeiten anhaftet,
ihnen Großzügigkeit
und das künstlerisch
dekorativ Schmückende
verlieh, einen der
Hauptfaktoren jedes
echten Kunstwerkes.
Gesellt sich dann noch
eine tiefgehende geistreiche
Konzeption und
Charakterisierung hinzu
wie hier, so ist die
höchste Aufgabe des
Bildnisses gelöst, des
Bildnisses, das zum
AUS DEM ATELIER DES KÜNSTLERS
Bereiche der Kulturgeschichte weit mehr gehört
als sogenannte Historienbilder; prägen
sich doch die Ereignisse und Wandlungen
der Zeit in den Physiognomien der Generationen
aus. Das, was ein Bildnis wertvoll
macht, ist der künstlerische
Bericht über eine
Person und so berichtet
auch Lenbach über
die Menschen, wie sie
von ihm in seinem
Geiste aufgenommen
wurden, so zwar, daß
es bei seinen Bildnissen
nicht in Betracht
kommt, ja nicht in Betracht
kommen soll, ob
der Träger des einen
oder anderen Kopfes
eine große Berühmtheit
ist oder nicht, dennoch
aber im höchsten Grade
für sich spricht. Erhöht
wird das Interesse ja
allerdings, wenn die dar-
gestelltePerson eine Berühmtheit
ist; aber hier
wie dort bringt Lenbach
einen merkwürdigen
Zug in alle seine Bilder
hinein, der vom feinsten
künstlerischen Ge-
AUS DER VILLA LENBACH
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