Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 9
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-sr4^> FRANZ VON LENBACH

Lenbachs veranschaulichen, dafür ist der Künstler
zu sehr Maler, und ein Bild wie dieses ist
nur in seiner Farbe ganz verständlich, da es
von diesem Leitmotiv ausgeht.

Von den alten Meistern hat Lenbach viel
gelernt: Rubens, Rembrandt, Hals, Velasquez,
Tizian sind seine Götter; keiner unserer zeitgenössischen
Künstler hat ihnen wohl soviel
Technisches abgelauscht, keiner besitzt auch
wohl eine größere Kenntnis der technischen
Mittel der Malerei der Alten. Trotzdem aber:
so viel er auch damit gewonnen, Lenbach
ist immer noch sich selbst treu geblieben,
mit so viel Eigenart, daß man Anklänge, die
man in seiner letzten Schaffensperiode übrigens
kaum noch verspürt, vollständig vergißt. Wenn
Böcklin auch sagt: „Technik! Technik kann
jeder Schafskopf haben, kann jeder lernen",
so darf dies ein Böcklin wohl behaupten, der
in seinem Lebenswerk über solch reiche Phantasie
verfügte, daß darob die bei ihm etwa
vorhandenen Mängel des Technischen in den
Hintergrund treten, es darf
dieser Ausspruch daher nur
cum grano salis aufgenommen
werden; denn Technik,
die unzertrennlich mit dem
Kunstwerke verbunden ist,
wenn auch lediglich dem Geiste
der Darstellung dienstbar
, hat insofern eine große
Bedeutung als das Handwerkliche
ihrer Art Studium
erfordert. Technik ist, im
Grunde genommen, alles
für den, der nichts zu
dichten und zu sagen hat
und eben dadurch noch
Künstler sein kann, viel,
sehr viel für den, der ein
Dichter unter den Malern
ist. Denn die schönste Idee
kann die Ausdrucksfähigkeit
, gleichbedeutend mit
Technik, nicht ersetzen, auf
das Verkörpern kommt es
an und das geht nun einmal
nicht ohne technisches
Können. Es ist hochinteressant
, Lenbachs Technik
zu studieren, ihn darüber
zu hören, auch die Tafeln
zu sehen, auf welchen er
Proben nach jeder Richtung
hin, namentlich Versuche
mit Tempera gemacht
hat und mit dieser eine
Leuchtkraft erzielte, die

von märchenhaftem Zauber ist. Da wird
die materielle Schwere der Oelfarbe, das
Anstrichmäßige, das nun einmal ihre niederträchtigste
Eigenschaft ist, in Schmelz und
Glanz verwandelt. Bei einigen Gemälden
wirkt die Mache so vollkommen frei von
jeder sichtbaren Schwierigkeit, daß sie gar
nicht mit dem Pinsel gemalt, ganz techniklos
erscheint, weil alles in dem Lüster der
deckenden Lasur untergetaucht, wie durch
einen Emailschleier verhüllt ist. Genuß und
wirkliches Verständnis dafür wird nur der
schaffende Künstler haben, der doch zur
Malerei im engsten Verhältnisse steht und
wohl weiß, was es bedeutet, auch technische
Schwierigkeiten überwunden zu haben. Alles
Ueberwundene aber, oder schon die Erkenntnis
desselben bereitet jedem Künstler, der
den Sieg des Schöpfers eines Werkes über
den Stoff als persönlichen Triumph mitempfindet
, höllische Freude. Und nun gar bei
Lenbach, der nicht auf eine ganz bestimmte

FRANZ VON LENBACH

DR. HA M MACHER

Die Kunst für Alle XVIII

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