Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 14
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-^s^> UEBER BILDERPREISE <^M^

sehr überkaufen. Jedenfalls sind das keine
normalen Verhältnisse.

Auch der eigentliche Kunsthandel kann hier
nicht zu Grunde gelegt werden. Daß durch
ihn die Preise oft unverhältnismäßig in die
Höhe getrieben werden, weiß man ja. Das
gilt aber besonders von toten Meistern. Ein
gutes Porträt von Leibi ist unter 10000 M.
jetzt kaum zu haben, ein figurenreiches
Genrebild von Vautier nicht unter 20000, ein
Bild mit zwei Köpfen von Böcklin nicht unter
50000. Neulich sah ich ein Genrebild von
Knaus, für das 100000 M. gefordert wurden.
Ein großer Segantini, der auf fast allen
Ausstellungen der letzten Jahre war, sollte
sogar 150000 M. kosten.

Ueber die Berechtigung derartiger Preise
zu streiten, wäre ziemlich müßig. Ein Kunsthändler
, der überzeugt ist, soviel bekommen
zu können, wäre dumm, wenn er weniger verlangte
. Daß manche dieser Preise im Laufe
der Zeit heruntergehen werden, ist mir wenigstens
nichtzweifelhaft. Galerien, diebestimmte
Meister haben müssen, zahlen in einem solchen
Falle auch einmal mehr als ein Bild streng
genommen wert ist. Aber das ist eigentlich

FRANZ VON LENBACH F

Das Original-Gemälde im Besitz von A. Riegners Hof kunsthandlung in

nur gerechtfertigt, wenn die Bilder des betreffenden
Meisters selten sind und man fürchten
muß, später keine Gelegenheit zum Kauf
zu finden. Im allgemeinen sollte ein Galeriedirektor
bei einem Ankauf nicht nur fragen,
was man für ein Bild gerade im Augenblick,
bei den jetzt bestehenden Konjunkturen
zahlen kann, sondern auch was man vermutlich
in Zukunft, nach zehn oder zwanzig
Jahren dafür zahlen wird. Für den Privatmann
von mittlerem Vermögen kommen
derartige Anschaffungen im allgemeinen nicht
in Betracht. Er kauft am besten vom
Künstler selbst.

Und damit sind wir zu dem normalen Fall
gekommen, der uns hier allein interessiert.
Da erhebt sich nun die Frage: Entsprechen
die Preisforderungen, die unsere lebenden
Künstler stellen, den tatsächlichen Verhältnissen
oder ihren eigenen Interessen?

Hier müssen zunächst zwei Gruppen von
Künstlern unterschieden werden, die anerkannten
und die noch nicht anerkannten. Die
ersteren erzielen, wie jedermann weiß, schon
bei Lebzeiten sehr hohe Preise. Wer wollte
ihnen das verdenken? Wie soll man überhaupt
den Preis eines Bildes bestimmen
? Hier entscheidet eben
lediglich der Kunstwert, der natürlich
verschieden eingeschätzt werden
kann, und das Verhältnis von Angebot
und Nachfrage. Man kann
ein Bild auch nicht nach der Elle
messen oder nach der Zeit, die ein
Künstler daran gemalt hat. Ein
Kunstwerk ist das Resultat angeborener
Begabung und jahrelanger
Arbeit, man muß also in seinen
Preis die Arbeit früherer Jahre mit
hineinrechnen. Aber wie viel davon
soll man mit hineinrechnen?

Vielleicht ist hier ein Vergleich
erlaubt. Angenommen ein Gelehrter
von Ruf schreibt ein Buch. Er hat
vielleicht zehn Jahre mit den vorbereitenden
Arbeiten zugebracht.
Die letzte Niederschrift des Manuskripts
und die Korrektur hat ihn
ein Jahr gekostet. Das Honorar
mag 3000 M. betragen, vorausgesetzt,
daß das Werk guten Absatz verspricht
. Jeder Kenner der Verhältnisse
wird zugeben, daß das noch ein
günstiger Fall ist, daß die literarische
Arbeit des Gelehrten im allgemeinen
viel schlechter bezahlt wird.
RAU F Und nun vergleiche man damit

München den Maler. Er hat vielleicht drei

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