Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 28
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0048
PERSONAL-NACHRICHTEN — VON AUSSTELLUNGEN

türm auf der sogenannten »Schwedenschanze« eingeweiht
, ein kurioses Bauwerk, dessen gesuchte Geschmacklosigkeit
nicht ungerügt bleiben darf, weil
es an einem beliebten Ausflugsort errichtet und
weithin sichtbar gar bald zu einem Wahrzeichen — im
schlechten Sinne — für Breslau werden dürfte. Wie
bei vielen Bauten unserer städtischen Architekten ist
hier ein geistreicher und an sich entwicklungsfähiger
Gedanke in ganz unausgereifter Form überhastet zur
Ausführung gebracht worden. M. S.

W/IEN. Rudolf von Alt, der Nestor der öster-
reichischen Maler, feierte am 28. August zu
Goisern im Salzkammergut seinen neunzigsten Geburtstag
.

F>ARIS. Am 3. August ist, Sechsundsechzig Jahre
* alt, James Tissot, der Maler des Lebens Jesu,
in Buillon (Depart. Doubs) gestorben. Zu Nantes
geboren, hatte er seine Studien an der Pariser
Akademie unter Flandrin gemacht, von den 1860er
Jahren an etwa, trat er als selbständiger Künstler
hervor, zuerst mit Porträts, dann mit Genrebildern,
unter denen »Faust und Margarete« in Luxembourg
das bekannteste ist. Mit fünfzig Jahren ging Tissot
daran, sein Hauptwerk, das aus dreihundertfünfzig
Aquarelldarstellungen bestehende »Leben Jesu« zu
malen. Er schuf es, nachdem er die nötigen landschaftlichen
und ethnographischen Vorstudien dafür
auf wiederholten und langen Reisen in Palästina
gemacht hatte. Auch für das Alte Testament hat
der Künstler späterhin dann eine ähnliche Bilderserie
in Angriff genommen.

/GESTORBEN: In Barcelona am 26. Juli der
Maler Baldomero Galofre; in Hamburg am
6. August, siebenundsiebzig Jahre alt, Christian
Förster, der Zeichner der einstigen hamburgischen
Tageszeitung »Reform«.

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

DERLIN. Für die National-Galerie wurden auf
der Deutsch-Nationalen Kunstausstellung zu
Düsseldorf Fr. Kallmorgen's >An die Arbeit« und
Robert Weise's »Porträt einer Dame in einer
Herbstlandschaft«, des weiteren an Bildwerken Nie.
Friedrich's »Sandalenbinder« und Max Kruse's
»Porträtbüste meiner Mutter« erworben.

T_IANNOVER. In den Räumen des Hannoverschen
*■ *■ Kunstsalons gelangten in den letzten Monaten
besonders interessante Kollektionen zur Ausstellung,
so zu zwei Malen bedeutsame Sammlungen von
Segantinischen Bildern und Zeichnungen, eine große
Anzahl von Werken dänischer Maler, Gemälde,
Zeichnungen und kunstgewerbliche Arbeiten der
Bardowieker Künstlergemeinde, eine Reihe von Bildern
des Müncheners von Habermann, des Spaniers
Benlliure y Gil, des Düsseldorfers Liesegang
etc., so daß durch die stetig wechselnde Vorführungbedeutsamer
neuzeitlicher Kunstschöpfungen
dem jungen Institute das rege Interesse gesichert
wird, das ihm seit dem Tage seiner Eröffnung vom
hannoverschen Publikum in vollem Maße entgegengebracht
wird. - - Gelegentlich des Anfangs Oktober
hier stattfindenden ersten Niedersachsentages wird
in den Räumen des genannten Salons der „Heimatbund
Niedersachsen" eine Kunstausstellung veranstalten
. Es soll darin Heimatkunst zur Anschauung
gebracht werden, und zwar in dem Sinne, daß nur

Motive aus dem niedersächsischen Gebiete vorgeführt
werden. Da die hier in Frage kommenden
Landschaften seit Jahrzehnten der deutschen Künstlerschaft
ein beliebtes Studienfeld geboten haben,
so darf die dankenswerte Veranstaltung des Heimatbundes
ohne Zweifel auf eine reiche Beschickung
rechnen und wird trotz der Beschränkung auf heimische
Motive ein wechselvolles Gesamtbild bieten,
in welchem die farbigen Reize des norddeutschen
Flachlandes zu voller Geltung gelangen. PI.

ENT. Der belgische Landessalon wurde am
24. August in den Räumen des Neuen Museums
eröffnet. Starke Beteiligung von Engländern und
Franzosen. Man findet Lavery, Guthrie, Nicholson
, Douglas, Robinson, Sauter, Priestman, Shannon,
Macaulay, Stevenson, Austen Brown, Grosvenor
Thomas, Mac Nichol und so fort. Die Franzosen
entsenden Fantin-Latour, Cottet, Jacques Blanche,
Lucien Simon, Raffaelli, Dauchez, Aman Jean, Aime
Morot, Jules Lefebvre, Lagarde, Henri Martin, Le
Sidaner u. s. w. Die amerikanische Schule zeigt sich
ebenfalls sehr gut vertreten durch Chase, Harrison,
Walter Gay, Humphreys Johnston und andere.
Holländer, Italiener, Spanier fehlen nicht. Dagegen
sind die Deutschen, die im vorigen Jahre in Antwerpen
einen so schönen Anlauf nahmen, sich gut
in Belgien einzuführen, fast ganz fortgeblieben. Bei
den Belgiern selbst scheinen große Entdeckungen
nicht in Aussicht. R.

\WIEN. II n'y a que le provisoire qui dure —
sagen die Franzosen. Sollte dies auch mit dem
soeben geschaffenen Provisorium der Fall sein,
durch welches die Raumfrage der in Bildung begriffenen
modernen Galerie eine plötzliche vorläufige
Lösung gefunden hat? Durch eine allerhöchste Entschließung
werden die im staatlichen Besitz befindlichen
modernen Kunstwerke, statt bis zur Errichtung
des städtischen Museums dem Publikum unzugänglich
zu sein, schon in allernächster Zeit in
den Räumen des unteren Belvedere zur Aufstellung
gelangen. Diese Räume bargen früher die Ambraser-
Sammlung, das heißt die kunstgewerblichen Schätze,
die jetzt im kunsthistorischen Museum mit der
Gemälde-Galerie vereint sind. Seitdem der Thronfolger
Erzherzog Ferdinand d'Este das Belvedere
zum Wohnsitz gewählt hat, waren diese Lokalitäten
für administrative Zwecke verwendet worden. Einige
Adaptierungen, Gasheizung etc. werden in raschester
Weise durchgeführt, und bereits im Monat November
kann man der Aktivierung der »Modernen Galerie«
entgegensehen. Zur Aufstellung gelangen »Christus
im Olymp« von Max Klinger, desselben »Urteil des
Paris«, die »Meeresidylle« von Böcklin, die »Bösen
Mütter« von Segantini, die »Fünf Sinne« von Makart;
eine große Kollektion des Altwiener Meisters Waldmüller
, Bilder von Pettenkofen, Schwind, und sehr
mannigfache Erwerbungen, welche in den letzten
Jahren auf den Ausstellungen der Secession, des
Künstlerhauses und des Hagen-Bundes gemacht
wurden. Nach Ablauf von vier Jahren soll der
staatliche Bilderfond mit den Bildern moderner
Meister, welche im Besitz des Landes Niederösterreich
und der Gemeinde Wien sind, in dem bis
dahin fertiggestellten städtischen Museum vereinigt
werden. Vielleicht besitzt auch dieses Provisorium
die hartnäckige Dauerhaftigkeit einer bureaukratischen
Einrichtung. Vielleicht kommt die für die künstlerische
Entwicklung der »Galerie« gewiß nur hinderliche
Vereinigung mit Landes- und Stadt-Kunsterwerbungen
nun durch die »vorläufige« Abtrennung
gar nicht mehr zu stände. B. Z.

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