Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 33
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ALBERT BARTHOLOME IN SEINEM ATELIER

ALBERT BARTHOLOME

Von Paul Clemen

Im Salon des Jahres 1891 war zuerst ein
Künstler aufgetreten, den als Bildhauer
bisher noch niemand kannte, der nur in vergangenen
Jahren als Maler im großen Strome
geschwommen war. Seltsame Gebilde einer
schmerzlich erregten Phantasie stellte er aus,
Trauernde und Todgeweihte, vor der dunklen
Pforte Zurückbebende. Es waren die ersten
Studien zum Monument aux morts. Im Jahr
1895 war der fertige Entwurf des Denkmals
ausgestellt, die Stadt und der Staat gemeinsam
bestellten die Ausführung, und am Allerseelentage
, am 1. November 1899, ward das Denkmal
der Namenlosen eingeweiht. Keine laute
Feierlichkeit zur Einweihung — aber die
stumme Prozession von 98000 Menschen,
die an diesem Tage vor dem Monument
standen und ihm huldigten, war die würdigste
und ergreifendste Feier. Mit diesem einen
Werke hatte der Künstler einen der ersten
Plätze in der Geschichte der modernen französischen
Plastik eingenommen. Von Stendhal
stammt das Wort, daß jeder Mensch wie jedes
Jahrhundert eine große Aufgabe hätten, auf

die sie ihre ganze Kraft verwenden müßten.
Hatte der Künstler hier seine ganze Kraft ausgegeben
und sich selbst erschöpft? Andere,
kleinere Werke waren jener großen Tat gefolgt
— aber sie schienen in gar keinem Zusammenhang
mehr zu stehen. Was brachte
die Wandlung vom Maler zum Bildhauer hervor
, wie kam der Künstler dazu, sich länger
als ein Jahrzehnt in diesen finstern Gedankenkreis
zu bannen? Und wo sind die Brücken
zwischen den einzelnen Stilen seiner Kunst?

Paul Albert Bartholome ist am 29. August
1848 in Thiverval geboren. Seine ganze künstlerische
Laufbahn ist die eines Autodidakten.
Er war schon dreiundzwanzig Jahre alt, als
er sich entschloß, Maler zu werden - - apres
toutes sortes d'etudes plus ou moins inutiles —
bekennt er selbst. Hinreichend vermögend,
konnte er sich seinen Lebensweg ganz nach
eigenem Geschmack vorzeichnen. Aber diese
erste Zeit, die er jetzt unnütz nennt, unnütz
für den Künstler, war doch nicht unnütz für
den Menschen. Jene Jahre hatten den Grund
gelegt zu einer tiefen und umfangreichen

Die Kunst für Alle XVIU. 2. 15. Oktober 1902.

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