Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 37
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-*-5^> ALBERT BARTHOLOME -C^Ms-

ALBERT BARTHOLOME DAS MONUMENT AUX MORTS AUF DEM

KIRCHHOF PERE-LACH AISE ZU PARIS

Pforte: und die große Weisheit von der
Versöhnung des Todes wollte er jetzt auch
anderen predigen. Und langsam wandelte
sich vor seinem geistigen Auge das private
Denkmal, das er sich selbst setzen wollte,
in ein riesiges Monument, in dem er
das Grauen und das Erzittern der ganzen
Menschheit vor den Toren der Ewigkeit abbilden
wollte, aber auch die ruhige Fassung
der in Liebe vereint Eingehenden. Und mit
einem versöhnenden Ton sollte diese ganze
Symphonie der Schmerzen und der Klagen
schließen.

Es dauerte Jahre, bis das gigantische Projekt
sich in ihm geklärt hatte. Langsam fügten
sich die vielen Einzelstudien der Trauernden,
vom Schmerz Gebeugten, zu Boden Geworfenen
, zu einem Ganzen. Vier Jahre hatte
der Künstler ganz geschwiegen, dann erschien
seit 1891 im Salon jene Reihe von Studien,
Mühselige und Beladene, in immer neuen
Variationen, nackte hagere Gestalten, die die
letzte Hülle abstreiften, von einem wunderbar
durchgearbeiteten Körperbau; im Jahr 1892
dann ein großer Erfolg: jenes Menschenpaar,
das gemeinsam, mit ruhiger Entschlossenheit
in die ewige Finsternis hineinschreitet —
und endlich im Jahr 1895 das ganze Grabmal
in zwei Drittel der späteren Größe. Auf
den lärmenden Schwärm der Salonbesucher
legte sich eine feierliche Stimmung, wenn
er vor diesem stillen Monument landete
auch wem dies ernste Werk nichts enthüllte,
fühlte doch instinktiv, daß hier ein ganz
großer Künstler sprach. Auch auf dem großen
Skulpturenjahrmarkt im Jahr 1900 im neuen
Palais des Beaux-Arts verstummte die vielsprachige
Menge, wenn sie in der großen
Halle Bartholomes schlichtes Totendenkmal erreicht
hatte. Und solch ehrfürchtiges Schweigen
ist die beste Huldigung.

Jetzt erinnerten sich auch der Staat und
die Stadt ihrer Ehrenpflicht — beide warben
um das Monument und es kam noch ein
dritter Liebhaber hinzu, Tadamasa Hayashi,
der es für Japan ankaufen wollte. Endlich
einigten sich die Regierung und die Stadt
Paris dahin, es gemeinsam zu erwerben. Nun
handelte es sich um den Platz. Der Künstler
erklärte, daß er von Anfang an nur einen
einzigen Platz vor Augen gehabt habe, für
ihn das ganze Denkmal komponiert habe
die mittlere Allee des größten Kirchhofes der
Stadt, des Pere-Lachaise: man protestierte,
schlug einen anderen Platz vor, der Künstler
erklärte ruhig: Nein. So blieb es dabei. Als

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