Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 47
(PDF, 173 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0065
-a<Ö> ALBERT BARTHOLOME C^=^

bild nennt. Die Wirkung eines solchen Fernbildes
hat aber Bartholome^ Werk im höchsten
Maße. Das sind alles einfache, große ruhige
Linien mit sicher verteilten energischen
Schattenmassen, und wie geschickt ist bei dem
Jüngling auf der rechten Seite, der die Geliebte
mit beiden Armen umspannt, durch die
leichte Wendung des Nackens wieder die
flächenhafte Fernwirkung erreicht.

Immer noch neue Schönheiten würde man
an den beiden Mittelgruppen finden können.
Die letzte Hülle sinkt von dem oberen Paar
herab, wie der Rest des Irdischen von ihnen
niedergleitet, und dies Gewand verhüllt zugleich
das eine Bein, gibt dem Unterbau der
Figuren Masse, verbindet ihn mit der Mauer,
umgeht die Klippe, die in der Darstellung
zweier Paare von frei gegen den dunklen
Raum stehenden Beinen liegen würde, und
läßt doch die Körperlinien ungebrochen vom
Kopf bis zur Ferse sehen und die verschiedenen
Bewegungsmotive, das energische und das
zögernde, in ihnen sich voll aussprechen.
Ein rührender Zauber liegt in der leichten
Neigung des Hauptes der Frau — diese Neigung
bringt aber zugleich auch einen Wechsel
in den oberen Abschluß der Gruppe — das
Haupt des Mannes verliert sich im Dunkel,
um ihr Haupt spielt noch einmal der Glorienschein
des vollen Tageslichtes. Die Silhouette
des Paares aber wirkt bestimmt und energisch
schon für den, der durch das vordere
Tor des Kirchhofs tritt. So ist das ganze
Werk auf Monumentalität berechnet.

Es ist bewußte künstlerische Absicht, daß
sich der Blick auf das im ewigen Schlummer

A. BARTHOLOME SKIZZE VOM MONUMENT
AUX MORTS «

A.BARTHOLOME SKIZZE VOM MONU-

(i. Musee du Luxembourg) MENT AUX MORTS «

liegende Paar in der Krypta erst eröffnet,
wenn der Beschauer langsam näher gekommen
ist, die ernste Totenklage der oberen Reihe
ganz in sich aufgenommen hat. Niemand wird
den ersten gewaltigen Eindruck vergessen,
wenn er den Blick senkt und in dies geöffnete
Grab sehen darf. (Abb. s. S. 43). Nächst dem
Aufbau des Ganzen ist dieses Sockelbild die
größte künstlerische Leistung. Die Behandlung
des liegenden Paares ist wundervoll, ein ergreifender
Naturalismus ohne das Grausige
solcher Leichenschilderungen. Mit welcher
Sicherheit ist das ganze harte Knochengerüst
bei den beiden Elterngestalten durchmodelliert,
die welke Hautdecke darüber gezogen, und das
doch ohne alle Kleinlichkeit und Aengstlich-
keit. Die leichte Erhöhung des Kopfendes
verhindert das häßliche Hintenübersinken des
Hauptes und das Emporstehen des Kinns.
Und von welcher rührenden keuschen Schönheit
ist die schlanke Gestalt des Todesengels
(Abb. s. S.46); wie einfach ist auch hier durch
das Seitwärtsstellen des linken Knies das
Fernbild gegeben.

Die eingehendsten Vorarbeiten waren für
das Monument gemacht worden. Alle Figuren
sind ä ronde bosse gearbeitet, dann
erst zu dem Fries zusammengesetzt. Sie
stehen wirklich neben-, vor einander, schneiden
nie in einander ein. Eine ganze Reihe solcher
Studien, aus denen für den Künstler erst
allmählich das Gesamtbild herauswuchs, sind
verworfen worden. Das junge Mädchen, das
sich über den Block beugt, das Gesicht in den
Armen vergrabend — die herrliche reine
Rückenlinie kommt auf der Abb. S. 45 voll
zur Geltung ist ganz verändert in den

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