Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 48
(PDF, 173 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0066
-*-s^> ALBERT BARTHOLOME -C^=^

linken Flügel aufgenommen: es ist die weibliche
Gestalt hinter der trauernden Alten.
In der ersten Skizze zeigte sich diese noch
mehr zusammengekrümmt, mit beiden Händen
das Haar zerwühlend. (Abb. s. S. 47.) Die
auf dem rechten Hügel gleich vorn auf den
Boden niedergestreckte Figur war ehemals ganz
anders gestaltet: sie hatte sich nur vor Entsetzen
zusammengekauert, die Knie eng zur
Seite herangezogen; die Ausführung nach dieser
Skizze bewahrt das Luxembourg-Museum.
(Abb. s. S. 47.) Den Sockel der sitzenden jungfräulichen
Gestalt zur Linken, die den Schleier
an ihr Gesicht preßt, umklammerte im ersten
Entwurf noch ein nackter Knabe, auf den
linken Arm gestützt; eine Ausführung der
Gruppe in rötlichem Marmor besitzt M. Siot
Decauville in Paris. Eine Reihe dieser Akte
und Studien hat der Künstler in Marmor
oder in Kalkstein gearbeitet, mit leichten Veränderungen
: das L'Adieu ist noch einmal mit
dem sehnsüchtigen halbgeschlossenen Auge

ALBERT BARTHOLOME

GRABMAL MEILHAC
(Auf dem Montmartre-Friedhof)

in dem hellen gelbrötlichen Stein von Euville
ausgeführt (Abb. s. S. 54); ein Bronzeguß
nach der trauernden Alten befand sich auf
der vorjährigen Berliner Sezessionsausstellung.
Und in den Kreis dieser Todesdarstellungen
gehört als die Weiterbildung eines der aufgegebenen
, nicht für das große Monument
aux morts verwendeten Motive wohl auch
das Grabmal Meilhacs auf dem Montmartre-
Kirchhof. (Abb. s. untenstehend.) Der Künstler
ist nur zögernd an die Aufgabe gegangen. Was
hatte der Schöpfer des Monument aux morts
über den Autor von Froufrou zu sagen, über
Offenbachs muntern Librettofabrikanten? Er
nahm den Auftrag erst an, als man ihm das
Thema ganz überließ. So ist das Grabdenkmal
vielleicht wenig charakteristisch fürMeilhac
geworden, aber sehr charakteristisch für
Bartholome. Ein ganz schlichter schwerer
Sockel, auf einer Art Steinbank ein nackter
weiblicher Genius, das Haupt gesenkt und
die Stirn tief verhüllt von einem Schleier,
der in langen geraden Falten an
dem Rücken herabsinkt und die
ganze Gestalt umrahmt; die Rechte
legt zögernd, leise einen Immortellenkranz
auf die Sarkophagplatte
.

Bartholome ist ein maitre de
pierre vive. Mit leidenschaftlicher
Inbrunst liebt er seinen Stein, sein
Material. Die technische Behandlung
ist ganz aus dem besonderen
Charakter des Steines herausgeboren
. Es ist ein ziemlich grobkörniger
kristallinischer Kalkstein;
er verlangte große weiche Formen
, erlaubte gar keine scharfen
Kanten, starken Unterschneidun-
gen. Um die Zerstörung des Steins
durch das Eindringen des Wassers
zu verhindern, hat er sorgfältig
alle Becken und Ausbuchtungen
auf der Oberfläche vermieden.
Durchaus ohne Raffinement und
Bravour ist die Behandlung, alles
ist ehrlich und selbständig, die
Wiedergabe der Haare, der Augen,
bei denen nur die große Form
hervortritt — denn alle kleinlichen
Flächen saugt der blonde Stein
gleichsam auf — fast primitiv.
Aber eines hat diese ständige Arbeit
des Künstlers selbst an seinem
Werke auch gebracht: die fortgesetzte
Vertiefung und Vereinfachung
der Motive. Nichts interessanter
als das Tonmodell hier mit

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