Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 57
(PDF, 173 MB)
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ZUM JUBILÄUM DES VEREINS FÜR

ORIGINAL-RADIERUNG IN MÜNCHEN

Zehn Jahre sind heuer verflossen, seit
eine kleine Schar von Künstlern sich zu
einer Vereinigung zusammenschloß, um die
mehr und mehr in Vergessenheit geratene
Kunst des Radierens zu pflegen. Und ob-
schon gar vielen dieses Vorhaben nicht mehr
zeitgemäß erscheinen könnte — da die heutigen
hochentwickelten photo-mechanischen
Druckmethoden eine persönliche Mitarbeit des
schaffenden Künstlers überflüssig machen —
so ist dennoch die Gründung von Radiervereinen
in fast allen größeren Kunstzentren
als symptomatisch zu bezeichnen. Sie hat
vor allem deshalb volle Berechtigung, weil
bei der Radierung die zeichnerische Eigenart
des ausführenden Künstlers am allerunmittel-
barsten zum Ausdruck kommt. Man braucht
ja nur den Namen Rembrandt zu nennen
und daran zu erinnern, wie ausnehmend
„persönlich" (um dieses moderne Schlagwort
zu gebrauchen), wie geistvoll alle seine radierten
Blätter sind, und möge sich nur
vorstellen, wie wenig davon übrig geblieben
wäre, wenn eine andere noch so geschickte

Hand es versucht hätte, nach Rembrandts
Vorlagen die gleichen Blätter herzustellen.

In der Schaffung selbständiger, nur als
Radierung vom Künstler gedachter Blätter
ist das Wesen und die Berechtigung, die
alte Technik wieder ins Leben zu rufen,
begründet. In diesem Sinne und gleichzeitig
im modernen Geiste zu schaffen, sind alle
jene bestrebt, die sich der schwierigen Kunst
des Aetzens hingegeben haben, um der scheinbar
so eng begrenzten Technik durch eigenartige
Behandlung des Materials immer neue
Seiten abzugewinnen, die Technik selbst für
die verschiedensten Arten der persönlichen
Empfindung umzuwandeln. Ebenso wie in
der Malerei eine Wechselbeziehung zwischen
der geistigen und handwerklichen Seite unleugbar
vorhanden ist, so steht auch beim Radierer
die Technik in direkter Verbindung mit seiner
Intention. Klingers gedanken- und figurenreiche
Kompositionen zum Beispiel ließen
sich kaum anders als in Strichmanier ausgeführt
denken, während wieder anderseits
das Durcharbeiten eines auf „Stimmung"

Die Kunst für Alle XVIIT. 3. 1. November 1902. 57


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