Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 69
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0089
Nach einer Aufnahme justus brinckmann

von R. Dührkoop « «

Zum 25-jährigen Jubiläum des Hamburgischen
Museums für Kunst und Gewerbe

PERSONAL- UND

ATELIER-NACHRICHTEN

HAMBURG. Im Mai 1866 war es, daß dem von
vielen geteilten Wunsch nach Errichtung eines
Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg zuerst
in publizistischer Form Ausdruck gegeben wurde.
Der es tat warderdamalige Studiosus Justus Brinck-
mann. Angeregt durch einen im Auftrag des österreichischen
Museums gemachten Besuch der Sammlung
des feinsinnigen Sammlers Freiherrn von Minu-
toli in Liegnitz brachte Brinckmann in den »Hamburger
Nachrichten« den Ankauf dieser Sammlung
und die Gründung eines Museums für Kunst und
Gewerbe in Hamburg unter Darlegung der aus dem
Bestand einer solchen sich ergebenden Vorteile in
Vorschlag. Brinckmanns Ausführungen wurden zwar
sympathisch aufgenommen, doch erst drei Jahre
später erfolgte der erste Schritt zu deren Verwirklichung
. Als Erbschaft nach einer im Herbst 1869
veranstalteten Ausstellung Hamburgischer Industrieerzeugnisse
und Altsachen gingen die hervorragendsten
Stücke beider in den Besitz des Gewerbevereins
über: der erste Grundstock, aus dem das künftige
Kunstgewerbemuseum hervorgehen sollte, war damit
geschaffen. Als des Museums eigentliches Geburtsjahr
ist das Jahr 1874 anzusehen, die Installierung
und Ueberführung nach seinem seitherigen
Heim ging im Jahre 1877 vor sich. Am 12. Februar
desselben Jahres erfolgte die Wahl Brinckmanns
zum Direktor, und wer seither von dem Hamburgischen
Museum für Kunst und Gewerbe spricht und
sprach, der meinte den Direktor und wer diesen
nannte, der verstand und versteht heute mehr als
je darunter das Museum. Denn der Mann und das
durch ihn ins Leben gerufene Werk sind auf das
unlöslichste miteinander verschmolzen. Das Prinzip
Brinckmanns, an dem er von vornherein festgehalten
hat und das ihm und seiner Schöpfung auch
zum dauernden Ruhme ausgeschlagen, bestand in
der Wahrung des Hamburgischen Charakters des
Museums, was den weitblickenden Mann aber nicht
hinderte, als erster auch dem fremdländischen und
hier voran dem japanischen Kunstgewerbe alle Würdigung
und allen werktätigen Sammeleifer zuzuwenden
, sobald er den ungeheueren Gewinn erkannt
hatte, den das Studium dieser fremdländischen
Kunst (nicht deren Nachahmung) für das heimische

Kunstgewerbe bedeutet. Nur dieses rasche Erkennen
des Notwendigen und Richtigen und das
ebenso rasche Zufassen von seiten seines Direktors
kann eine Erklärung dafür sein, daß das Hamburgische
Museum »die beste Sammlung lokaler Kunst
in Deutschland« (nach einem Ausspruche Wilhelm
Bodes) und zugleich auch die reichste Sammlung
von Japan-Altsachen besitzt. Kenner schätzen den
Besitz des Hamburgischen Museums für Kunst und
Gewerbe auf das drei- und vierfache dessen ein,
was tatsächlich dafür angelegt worden ist. Doch
nicht in seinem Real-, sondern in dem ihm innewohnenden
hohen idealen Besitzstande und in seiner
geistigen Führung liegt die Bedeutung des Hamburgischen
Museums für Kunst und Gewerbe, das
am 30. September den fünfundzwanzigsten Jahrestag
seines Bestehens in einfach festlicher Weise begangen
hat. Es ist vor allem das Festhalten Brinckmanns
an dem Gedanken, von seinem Museum jeglichen
Modergeruch ferne und dieses in steter Verbindung
mit dem ewig jungen Leben zu halten,
was bei all seiner Kleinheit dem Hamburgischen
Museum eine hervorragende Stellung gesichert und
seinem Leiter weit über die Grenzen Deutschlands
hinaus in Fachkreisen zu Geltung und hohem Ansehen
verholfen hat. Prof. Dr. Justus Brinckmann, der
fast bei allen hervorragenden deutschen und ausser-
deutschen Industrie- und Kunstgewerbe-Ausstellungen
im letzten Jahrzehnt als Juror genannt worden
ist, war von Hause aus Jurist, schwenkte später
zu den Naturwissenschaften hinüber, um schließlich
mit fliegenden Fahnen ins Lager der Kunstwissenschaften
überzugehen. Er ist am 23. Mai 1843
in Hamburg geboren, die Hoffnung, ihn zum Heil
des deutschen Kunstgewerbes noch durch eine lange
Reihe von Jahren an seinem viel bemerkten Posten
ausharren zu sehen, ist also nicht unberechtigt.
Als literarische Festgabe ist, »gedruckt im Auftrage
des Hamburgischen Senats« unter dem Titel >Das
Hamburgische Museum für Kunst und Gewerbe,
dargestellt zur Feier des fünfundzwanzigjährigen
Bestehens von Freunden und Schülern Justus Brinckmanns
« ein Sammelband von Aufsätzen erschienen,
auf den wir noch im besonderen zurückkommen
werden. W.

CTUTTGART. Zum Direktor der Akademie der
^ bildenden Künste wurde für die Studienjahre
1902/3 und 1903/4 der Maler Prof. Robert Haug
ernannt.

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