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- VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
RICHARD PIETZSCH
Sommer-Ausstellung der Münchener Secession
BERGFRÜHLING
bringung der Kunstwerke, zumal man infolge der
starken Profilierung wie der Tönung der Architektur
bei der Ausgestaltung des Ausstellungslokals nach
keiner Seite hin unbehindert war. Es mußte überall
dem bereits Vorhandenen nachgefühlt werden.
Schließlich konnte aber doch ein ruhiger Untergrund
für die Werke geschaffen werden, der weiter
nichts als seine ihm zukommende untergeordnete
Rolle spielen will. Im Vorsaale finden wir die
Mitglieder der >Freien Vereinigung Darmstädter
Künstler«, von denen Carl Küstner mit seinen
trefflichen Landschaften, Adolf Beyer und Curt
Kempin mit flotten Porträts, W. Bader mit seinen
weichen Aquarellen, Hans Christiansen und Ludwig
von Hofmann mit ihren eigenartigen, nach
der dekorativen Kunst hinneigenden Werken, erwähnt
zu werden verdienen. In demselben Räume
fanden auch neun meisterhafte Rötelzeichnungen
und zwei Oelbilder des leider zu früh verstorbenen,
in München und Paris gebildeten Heinz Heim Unterkunft
. In den beiden ersten Kojen des Hauptsaales
treffen wir die alten Meister, mit Werken aus Privatbesitz
, die der ganzen Ausstellung einen besonderen
Reiz verleihen. Von Deutschen seien hier nur
Namen wie Anton Woensam f 1541, H. Holbein
d. J., Chr. Amberger, A. Elsheimer genannt
, und von den Niederländern Lucas van
Leyden, P. P. Rubens, v. Dyck, D. Teniers,
Frans Hals, J. M. Molenaer, Ruisdael, Ter-
borch, J. v. goijen, n. maes, potter, v. d. neer.
In den nächsten Abteilungen folgen alsdann die
großen Individualisten, von denen Anselm Feuerbach
mit zwei Werken aus seiner voritalienischen
Schaffensepoche den Reigen beginnt. Sein fast noch
gänzlich unbekanntes Oelbild »Amazonen auf der
Wolfsjagd« erregt und verdient besonderes Interesse.
Arnold Böcklin ist mit sieben Werken vertreten,
von denen die »Klio«, »Sieh' es lacht die Au«,
»Vestalin« und das jugendliche Selbstporträt hervorgehoben
seien. Von W. Leibl sind fünf Werke
ausgestellt, darunter das berühmte, der Sammlung
Schoen-Renz angehörende »In der Kirche«. Von
J. Sperl sind drei Oelbilder vorhanden, von Fritz
von Uhde zwei. Von Franz Stuck zwei Skulpturen
und ein Oelbild, und von Max Klinger
ein Oelbild, eine Zeichnung und zwei Skulpturen.
Franz von Lenbach ist an Oelbildern und Pastellen
im ganzen mit vierzehn Arbeiten vertreten
und der Darmstädter Bildhauer Ludwig Habich
mit zehn Werken, die zum größten Teile im Privatbesitze
Sr. kgl. Hoheit des Großherzogs Ernst
Ludwig von Hessen sind und fast Stück für Stück
den auf das Monumentale gerichteten Stil des jungen
Künstlers zur Schau tragen. Von Hans Thoma
endlich birgt die Ausstellung acht große Oelbilder,
ein Aquarell und eine Anzahl von Lithographien.
Schließlich sind an dieser Stelle auch Max Sle-
vogt, Walter Leistikow und Max Liebermann
zu nennen, von denen die beiden ersten mit je vier
Oelbildern, der letztere mit einem vertreten ist.
Endlich wäre noch der einzelnen Schulen zu gedenken
, von denen die süddeutschen den norddeutschen
bedeutend das Uebergewicht halten. Vor
allem ist da München zu nennen, das mit ausgezeichneten
Namen wie Fritz Rabending, Hubert
von Heyden, Schramm-Zittau, Walter Firle,
Franz Hoch vertreten ist. Das gerade in den
letzten Jahren so machtvoll emporstrebende Karlsruhe
ist mit einer nicht geringeren Zahl von gutklingenden
Namen auf dem Kampfplatze friedlichen
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